„Schlacht von Austerlitz“ und „Mährischer Karst“

Das Schloß Austerlitz ist geschichtlich auch mit der „Schlacht von Austerlitz“ eng verbunden. Hier wurde 1805 der Waffenstillstand unterschrieben. Das Schloß Austerlitz ist geschichtlich auch mit der „Schlacht von Austerlitz“ eng verbunden. Hier wurde 1805 der Waffenstillstand unterschrieben.

von Hannes Krois
Die Menschheit hat ihre Schlachtfelder.

add

Und die Menschheit hat aus Leid und Toten bislang nichts gelernt. Das Töten scheint eine der stärksten Anlagen der Menschheit sein. Und so gelangt der Besucher der höchst sehenswerten tschechischen Stadt Brünn automatisch in eine Retrospektive der berühmt-berüchtigten Schlacht von Austerlitz. Ein glanzvoller Sieg für Napoleon, den damaligen Kaiser der Franzosen.
Der kleingewachsene Korse aus Ajaccio veränderte mit seinen militärischen Siegen die damalige Landkarte völlig neu. Ohne Napoleon in der Weltgeschichte hätte auch das heutige Europa ein anderes politisches Antlitz. Jedenfalls drangen die Franzosen mit Napoleon an der Spitze am 19. November 1805 in Brünn ein. Im Monat August jenes Jahres lag Napoleon Armee noch an der Küste des Ärmelkanals. Die Invasion des damaligen Todfeindes und der Insel Eng­land war angesagt. Die schlauen Engländer schlossen ein Bündnis mit Russland und Österreich und griffen tief in die Staatskasse, um die Verbündeten zu bezahlen. Somit starteten die Österreicher und Russen mit ihren Armeen Richtung Frankreich. Und Napoleon brach sofort das „Abenteuer England“ ab und ließ seine Soldaten in Richtung Österreich aufbrechen. In acht Wochen hatten sie buchstäblich 1.000 Kilometer zurückgelegt. So nebenbei besiegte Napoleon Armee die 30.000 Soldaten des österreichischen Generals Mack bei Ulm.
Der österreichische Kaiser Franz I. war  eine Art „Hasenpfote“ und flüchtete mit seinem ganzen Hof weg von Wien. Die Reichshauptstadt Wien war somit für Napoleon geöffnet. Napoleon rückte aber nach Brünn vor. Gut 20 Kilometer östlich von Brünn wollte er die zahlenmäßig stärkeren Russen und Österreicher im Hügelland bei der kleinen Stadt Austerlitz (Slavkov) besiegen. Napoleon war wohl der größte militärische Stratege aller Zeiten. Er versetzte sich geistig bis ins Detail in die Gehirne seiner Feinde. Die von Protz und Töbelhaftigkeit behafteten Generäle der Union der Russen und Österreicher  fielen allzu oft auf die Raffinesse des kleinen Korsen herein. Mit dabei die hochmotivierten Soldaten der Grande Nation. Franzosen, Bayern, auch Nordafrikaner usw. Eine schlagkräftige Fremdenlegion der historischen Art. Wirkliche Angst hatte Napoleon nur vor den Preußen. Und damit die nicht noch bei dieser Schlacht von Austerlitz mitmischen, machte Napoleon entsprechenden „Dampf“. Am 2. Dezember begann die Schlacht bei Austerlitz.

Eine Kanone aus der Schlacht im Austerlitz-Museum.

Eindrucksvolle Kampfszenen von der Schlacht 1805.

Für den heutigen Brünn-Besucher ist ohnehin die Geschichte dieser intakten Brünner Altstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und den wunderbaren Bierlokalen und Restaurants ein Erlebnis. Die strategisch zufällige, historische Begegnung des alten Brünn mit Napoleon hat natürlich jede Menge Spuren hinterlassen. Als die Franzosen damals von Wien kamen, glaubten die Menschen im habsburgisch regierten Mähren, daß die Freiheit der französischen Revolution auch sie treffen könnte. Doch stattdessen mußten die damals noch unfreien Bauern das letzte Getreide, die letzte Kuh, das letzte Schwein und das letzte Huhn an die Grande Armee abgeben. Auf dem Krautmarkt im Zentrum Brünns wurden die Tiere täglich in großen Mengen geschlachtet. Fleischrationen für die Soldaten Napoleons. Das Kopfsteinpflaster war deshalb blutrot. Heute gibt es hier rund um den Platz sehr schöne Cafe-Terrassen. In der Sonne schimmert hier oftmals nun ein Aperol im Glas charmant rötlich. Auch die Habsburger Adeligen in Brünn hatten damals vor Napoleons Ankunft ihre Schlösser und Palais verlassen. So nistete sich Napoleon mit seinem Stab im alten Augustinerkloster und damaligen Palais des mährisch-schlesischen Statthalters Graf Lazansky ein. Die französischen Generäle bewohnten die schönsten Stadthäuser und die Soldaten und auch die Pferde wurden in den einfacheren Häusern untergebracht. Den Hauseigentümern verblieb vielfach nur der Fußboden zum Schlafen. Dafür mußten die Brünner die ungebetenen Gäste natürlich noch verpflegen. Und manch hübsche Frau wurde ebenso zum zeitweiligen „Eigentum“ der Fran­zosen. Mit Beginn der Schlacht im nahen Austerlitz wurde Brünn zudem zur Lazarettstadt mit tausenden Verwundeten und auch Gefangenen. Die hygienischen Verhältnisse in der Stadt waren katastrophal. In Folge breitete sich in Brünn auch noch eine Typhusepidemie aus. In Scharen starben die Brünner an dieser Krankheit. Nach vier Stunden Schlacht war Napoleon der Sieger und die Armeen der Österreicher und Russen mit 100.000 Mann waren besiegt.
Napoleon errichtete am 3. Dezember 1805 sein Hauptquartier im schmucken Schloß Austerlitz (Slavkov). Damals in Besitz der mächtigen Adelsfamilie Kaunitz. Im großen Saal des Schloßes wurde am 6.Dezember der Waffenstillstand unterschrieben.
Heute präsentiert sich das Schloß mit seinen wunderschönen Räumen und dem Garten als historische Besichtigungsstätte. Zudem beherbergt das Schloß auch das Museum über die Schlacht von Austerlitz. Das einstige Schlachtfeld nahe der Stadt Austerlitz ist ein begehrtes Wanderziel für historisch interessierte Touristen. Unweit von Austerlitz eröffnet sich die Naturlandschaft „Mährischer Karst“mit den unzähligen Höhlen, zahlreichen Wanderwegen und einem Kabinenlift durch die Macocha-Schlucht inmitten der bewaldeten Karstlandschaft.
Ein ganz besonderes Erlebnis bietet der Besuch der grandiosen Tropfsteinhöhlen unweit des Informationszentrums Skalny mlyn. Über abgesicherte Wege und viele Stufen durchwandern die Höhlen-Besucher die zahlreichen Grotten und Gänge mit den wundersamen Tropfsteinen. Unterirdisch hat hier der kleine Fluß Punkva seinen Weg gefunden. Mit wendigen Elektrobooten werden die Touristen von den „Grotten-Kapitänen“ ins Freie gebracht. Mitunter eine Maßarbeit des Bootführers, in dieser Enge zu manövrieren.Einzig die Forellen in dem glasklaren Wasser tummeln sich auch hier im Schutz der Höhlen. In den nahen Gasthäusern werden die Karst-Forellen als Spezialität angeboten. Die Naturlandschaft „Mährischer Karst“ ist mit seiner Größe von 100 Quadratkilometern das wichtigste Karstgebiet in Tschechien. Mit dem Auto einen „Katzensprung“ von Brünn entfernt.

Steinerne „Wunder der Natur“ in den Tropfsteinhöhlen.

Die berühmte Macocha-Schlucht im mährischen Karst.

Der „Grotten-Kapitän“ ist täglich in der Unterwelt unterwegs.

Kriegstreiber Napoleon als Figur in der Ausstellung.

Publiziert in Tschechien

Impressum / Datenschutz

Facebook