Auf der Spur des „Störrischen Esels“ auf Korsika

Hier wacht das Wahrzeichen Bastias über den alten Hafen: Die doppeltürmige Barock-Kirche Église Saint Jean Baptiste. Hier wacht das Wahrzeichen Bastias über den alten Hafen: Die doppeltürmige Barock-Kirche Église Saint Jean Baptiste.

„Heineken?“, fragte mich die äußerst zuvorkommende Kellnerin im schmucken Restaurant „U Fanale“ in Calvi, das einen schönen Blick auf die Bucht und den Leuchtturm von La Revellata bietet.

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„Gibt es auch ein französisches Bier?“, erwiderte ich. „Nein“, sagte die Kellnerin bestimmt und nicht mehr ganz so freundlich. „Aber Pietra haben Sie, oder?“, blieb ich hartnäckig. „Ja, das ist aus Korsika“, sagte sie stolz. „Aber Korsika ist doch Frankreich!“. Oje, voll ins Fettnäpfchen getreten. Den Geschmack des herrlichen Kastaniensbieres werde ich so bald nicht mehr vergessen. Den bösen Blick der Kellnerin auch nicht.
Korsika und Frankreich, das passt nur bedingt zueinander. 1769 besiegten die Franzosen die korsischen Truppen, seitdem ist Korsika französisches Staatsgebiet. 247 Jahre später fühlen sich die Korsen immer noch von den Franzosen besetzt. „Als Frankreich 1998 Fußball-Weltmeister wurde, waren aber alle Korsen ganz plötzlich Franzosen, erzählte Wolfgang Auner, der Tour-Guide unserer internationalen Journalistengruppe. Unser „Basislager“ war das bekannte Feriendorf „Zum Störrischen Esel“, eine Bungalow-Anlage mit herzlicher Camping-Atmosphäre. Hierher ins Alpinistendorf „Zum Störrischen Esel“ kommen Menschen, die die Berge im Allgemeinen und das Wandern im Besonderen lieben. Das spürt und sieht man: Beim Frühstück kommen die Gäste in Wanderschuhen und Kniebundhose und stärken sich für ihre geplanten Touren. Der „Esel“, wie das Dorf von den zahlreichen Stammgästen genannt wird, bietet zahlreiche geführte Ausflüge und Wanderungen an, die je nach Schwierigkeitsgrad in bis zu fünf „Esel“ klassifiziert sind. Das Feriendorf „Zum Störischen Esel“ wurde in den 60er Jahren von Willi Doderer vom Alpenverein Dornbirn gegründet. Mitgründer Kurt Müller hat die Anlage später übernommen und ist noch heute die gute Seele des „Esels“. „Man kann am Vormittag Bergsteigen und am Nachmittag entspannt im Meer baden gehen. Die Insel bietet eine Vielfalt, die im Mittelmeer wahrlich einzigartig ist“, beschreibt Kurt Müller die Faszination von Korsika. Wenn die Wanderer am späten Nachmittag müde zurückkehren, profitieren sie von der sprichwörtlichen Unbeweglichkeit des „Störrischen Esels“. Nie hat die Anlage ihren Standort gewechselt - und das aus gutem Grund: Der Sandstrand ist keine 200 Meter vom Feriendorf entfernt und vor Überfüllung gefeit. Sieben Kilometer erstreckt er sich über die gesamte Bucht von Calvi. Der Straßenabschnitt zum Feriendorf wird von Einheimischen längst nur noch als die „Kreuzung der Österreicher“ bezeichnet. Und auch ein „Kreuz der Österreicher“ gibt es hier: Auf dem Capu di a Veta. Das heutige Gipfelkreuz auf dem 703 Meter hohen Hausberg von Calvi hat zwar ein Hubschrauber der Fremdenlegion transportiert, aber das Exemplar davor hatte noch Willi Doderer selbst hinaufgeschleppt. Aus Sant'Antonino, das in Reiseführern oft als „schönstes Dorf Frankreichs“ bezeichnet wird, stammt die Anekdote um die Namensgebung des „Störrischen Esels“. „In einem der ersten Jahre unserer Korsika-Fahrten machte Willi Doderer den brillanten Vorschlag, in Sant'Antonino einen Esel als Maskottchen für das Feriendorf zu kaufen“, erinnert sich Kurt Müller. „Keine gute Idee: der Esel schrie die ganze Nacht lautstark und brachte die Gäste um den Schlaf. Anderntags wurde das Tier höflich dorthin zurückkomplementiert. Aber das Feriendorf hatte einen Namen!“

Sant’Antonino wird gern als „schönstes Dorf Frankreichs“ bezeichnet.

Blick auf das malerische Bergdorf Belgodère im Norden Korsikas.

Traumhafte Kulisse des Restaurants L’acula Marina in L’Île-Rousse.

Wanderführer Wolfgang Auner begleitete die Pressegruppe.

Unser Insel-Trip führte uns zuerst nach Bastia. Die Stadt zu Füßen des Pigno-Massivs ist mit ihren verwinkelten Gassen, historischen Gebäuden, barocken Kirchen und der alten Zitadelle nicht nur schön anzuschauen, sondern auch eine höchst lebendige Großstadt mit mehr als 43.000 Einwohnern. Bastia ist das Tor zum Norden Korsikas. Die größte Hafenstadt der Insel ist auch die Anlegestelle für die meisten Fähren aus dem Norden. Bei den Touristen beginnt der Urlaub bereits auf der Fähre und so sind diese sehr gut ausgestattet. Die Altstadt mit dem alten Hafen vermittelt ein einmaliges Flair. Nach der Stärkung mit typisch korsischer Kulinarik im Restaurant „Cote Marine“, direkt am alten Hafen, ging es auch schon wieder zurück Richtung „Esel“. Zeit zum entspannten Bummeln blieb in Saint Florent. Der kleine Hafenort gilt als das korsische „Saint-Tropez“ – und das zu Recht, denn wer hier im Sommer an der Hafenpromenade entlang schlendert, kann elegante Segelboote und mondäne Luxusyachten in der Größe von Mehrfamilienhäusern bestaunen. Der Yachthafen von Saint Florent ist ein beliebter Anlaufpunkt von Ausflüglern aus der Côte d'Azur und dem nahen Ligurien. In dutzenden Clubs und Cocktailbars am Port de Plaisance fließt Champagner in Strömen und der Jet-Set mischt sich unter die Schaulustigen, die Abend für Abend an der Promenade entlang spazieren.
Perfekt zum „Einrollen“ war die Radtour von Calvi nach Calenzana, die ebenfalls vom Feriendorf organisiert wurde. Mit nur 32 km Länge und 318 Höhenmetern recht leicht zu schaffen. Atemberaubende Blicke auf die Bucht von Calvi, und bergwärts beeindruckende Impressionen auf das Monte Grosso Massiv sind garantiert. Auf den Wegen begegnet man sehr häufig der duftenden „Macchia“. Die Pflanze ist mittlerweile zu einem der Markenzeichen Korsikas geworden und wird für hochwertige Kosmetik und Parfums verwendet. Nach dem Aufladen der Räder in Belgodère ging es mit dem Bus entspannt weiter nach L'Île Rousse. Das Hafenstädtchen in der Balagne, zählt zu den wärmsten Orten der Insel. Kein Wunder: Ein kleines Gebirge schützt den Ort vor den kalten Winden aus dem Norden und die vorgelagerte, bei Sonnenuntergang leuchtend rot schimmernde Insel sichert ihn von der Meerseite her. Für Urlauber präsentiert sich L'Île Rousse als beliebter Ferienort mit zahlreichen Restaurants und Cafés, einem schönen Hausstrand und weiteren traumhaften Stränden in der Umgebung. Unvergessen blieb das Mittagessen im Restaurant L' Acula Marina. Direkt am Meer, sitzt man auf einer Terrasse über dem Sand. Unten stehen Sonnenliegen und Schirme zur Vermietung bereit.
Kulinarisch hat die Insel einiges zu bieten. Wie auf dem Festland ist die Käseauswahl auf Korsika schwindelerregend. Der heimliche Star der korsischen Küche ist jedoch die Kastanie, aus der feinste Kuchen gebacken werden. Wein wird von den rund 100 Weinbauern vor allem aus den auf der Insel typischen Sorten gekeltert. Das mediterrane Klima in Kombination mit den vielschichtigen Granitböden bringt hervorragende Tropfen hervor. Korsika, je reviendrai! Infos unter: www. rhomberg-reisen.com

Kurt Müller ist der Tourismus-Pionier auf Korsika.

Pierre Acquaviva keltert ausschließlich autochthone Weine.

Publiziert in Frankreich

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