Die „Dinge des Lebens“ im Süden Korsikas

Gewaltige Waldbrände bedrohten Propriano, die attraktive Bade- und Hafenstadt im Süden Korsikas. Die Brände konnten nach Tagen gelöscht werden. Gewaltige Waldbrände bedrohten Propriano, die attraktive Bade- und Hafenstadt im Süden Korsikas. Die Brände konnten nach Tagen gelöscht werden.

von Hannes Krois
Die Sonne Korsikas ist Ende Juli gnadenlos.

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Schattenplätze sind gesucht. Gefunden in diesem einzigartigen Restaurant „Aux Caquillages de Diana“ (coquillagesdediana. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Gut 60 Kilometer südlich von Bastia. Ein Res- taurant auf Pfählen, rundum von Wasser umflutet. Die Fische spüren die Gäste an den kleinen Tischen auf der umschatteten Plattform über dem Wasser. Jemand wirft spielerisch Brotkrümel ins Wasser. Der Tanz der Fische startet nach täglichem Ritual. Der Schatten der Markise und der sanfte Luftzug vom offenen Meer bringen die Gedanken ins Schwingen. Der nette Kellner bringt mich wieder in die Realität. Eine besänftigte Realität durch eine unglaublich faszinierende Kulinarik. Ultrafrische, rohe Austern, Meeresschne- cken, Miesmuscheln und Scampi auf Eis. Dazu getoastetes Brot, Butter und eine Flasche Chardonnay aus der Region Sartene samt St. Georgs Mineralwasser. Nach der Bestellung an den netten Kellner, der eher ein Rumäne als ein Korse ist, schließe ich die Augen und lasse das Korsika der letzten Tage in all seiner Pracht und Natürlichkeit wirken. Das wunderbare Essen mit all den rohen Muscheln, Schnecken und Scampi kommt mir dennoch wie ein „Trauer- essen“ vor. Im Kofferraum meines Autos vor der Brücke zum Pfahlbaurestaurant ist alles für die Rückreise eingepackt. Wenig an Textilien, dafür umso mehr Messer, Pfannen und Gewürze fürs Kochen auf den zwei Kochstellen des Gasherdes in dem Bungalow unglaublich direkt am Meer. Dort in der abgeschiedenen Naturregion La Chiappa im Südosten Korsikas verbrachte ich die letzten Tage. Gut zehn Kilometer von der Stadt Porto-Vecchio und der allgemeinen Zivilisation entfernt. Mit der faszinierenden Festungsstadt Bonifacio der äußerste Süden Korsikas. Bei klarem Wetter ist von hier die Nordspitze der italienischen Nachbarinsel Sardinien sichtbar. Der Kellner bringt den gekühlten herrlichen Weißwein. In der Nähe des Phahlbaurestaurants werden frische Aus- tern „geerntet“. Eine Tradition in dieser Meerenge seit der Römerzeit. Die Römer brachten die Austern in einer Salz-Eismischung auf schnellstem Wege nach Rom. Die letzten Tage sind im wahrsten Sinne verflogen. Nach dem Essen geht es nun mit dem Auto nach Bastia. Dazwischen einmal noch Tanken. Auf Korsika ist Benzin billiger als in Italien. Und dann das Anstellen zur Fähre und die Sorge, daß die unglaublich aufgedrehten Italiener und deren noch aufgedrehteren Kinder nicht eine Autotüre in die eigene automobile Breitseite werfen. Dann hinein mit dem Auto in den „Bauch“ des Moby Line-Schiffes. Punktgenau Fahrzeug abstellen und dann hurtig ab zum Kojensuchen. In den Stockbetten in der kleinen Koje inklusive Toilette und Dusche ist die nächtliche Überfahrt auszuhalten. Um 7 Uhr ist Ankunft in Genua. Dann die Autostrada nach Venezia Richtung Laibach und Marburg. Aber noch sitze ich bei den herrlichen Austern und Muscheln im Schatten der korsischen Sonne. Ich denke an Napoleon, einen der mithin größten blutrünstigen Menschen der europäischen Geschichte. Ohne Napoleon wäre Europa in seinen Grenzen auch jetzt ganz anders. Von den gut drei Millionen Toten durch seine Energie wollen wir gar nicht reden. Als Napoleon dann kurzweilig mehrmals auf der Insel Elba inhaftiert war, ließ sich der Soldatenherrscher wöchentlich die Austern per Schiff von der Austernbucht Etang bringen. Schlußendlich wußte Napoleon, was vorzüglich schmeckt. Austern sind eine Energie- und Eiweißbombe. Napoleon wurde 1769 in der Hafenstadt Ajaccio im Südwesten Korsikas geboren. In diesem Jahr übernahm Frankreich nicht ganz widerstandslos die Herrschaft über Korsika. Das Geburtshaus Napoleons im alten Viertel von Ajaccio ist jedenfalls eine touristische Attraktion. Stundenlang warten im Juli und August in langen „Schlangen“ die Napoleon-Fans, um die Aura dieses Hauses zu erfahren. Napoleon ist immer noch der Marketing-Renner in Ajaccio. An jeder E- cke gibt es ein Napoleon-Denkmal. Unmittelbar hinter der Altstadt befindet sich der Hafen. Hier sind gerade die letzten Landgänger bei einem Kreuzfahrtschiff an Bord gegangen. Die mächtigen Anlegeseile werden gelöst und dieser Schiffsriese grüßt Ajaccio mit einem Dröhnen aus dem Schiffshorn. Die kurvenreiche Straße von Porto-Vecchio über Sartène nach Ajaccio braucht viel Geduld und Zeit. In einem Waldstück in Grosseto Prugna zwischen Ajaccio und Propriano sollte man sich auf einen Steinbrunnen am Straßenrand konzentrieren. Hier fließt in einem dünnen Strahl das wunderbare Mineralwasser St. Georges. Köstlich kühl und noch dazu kostenlos aus einer Tiefe von 1000 Meter. Gefährlich nahe dem wunderschönen Badeort Propriano wütet ein Waldbrand. Löschflugzeuge und Löschgruppen im permanenten Einsatz. Die Feuerwehrleute auf Korsika sind speziell im Sommer im Dauereinsatz. Die tro- ckenen Nadel- und Kastanienwälder brennen wie Zunder. Oftmals werden die Brände auch von Grundstücksspekulanten vorsetzlich gelegt. Da reicht schon eine brennende Zigarette, so Feuerwehr-Leutnant Giuseppi Nicolas, der Chef du Cis Pianottoli. Kurven und nochmals Kurven durch wunderschöne Landschaften bishin nach Sartène. Auf der Piazza vor der Kirche ein wundersamer Ristretto. Dazu frisches Gebäck von der Bä- ckerei gegenüber. Sartène ist die his- torische Stadt der Vendetta, der sogenannten Blutrache. Hier murksten sich die Bewohner ganzer Straßenzüge gegenseitig ab. Natürlich nur die Männer. Wenn einer der Männer aus den Familien sich nicht an dem Blutrache-Szenario beteiligen wollte, wurde er in die Wildnis verstoßen. Höchst geringe Überlebensrate inbegriffen. Der Künstler und Antiquitätenhändler Antoine Piere Sampieri (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) mitten in der Altstadt hat es mir angetan. Besonders aber dieses einzigartige Foto mit den damaligen Bewohnern von Sartene in Zeiten der Blutrache und sein Gemälde mit den zwei Flaschen Merlot der Marke Petrus. Ein unglaubliches Bild. Sartene bringt seine blutrünstige Geschichte niemals mehr los. Gerade deshalb zählt diese Stadt wohl auch unglaublich viele Touristen. Vor der Altstadt gibt es einen Parkplatz. Ansonsten verhaut die Parkplatzsuche den ganzen Besuch dieser interessanten Stadt. Dann weiter nach Porto-Vecchio und weiter in das Natur-Ressort La Chiappa und in den kleinen Bungalow direkt am Meer. Das frische Thunfischsteak aus der Pfanne mit Grilltomaten, Weißbrot und einem korsischen Rose auf dem kleinen Tisch auf der kleinen Terrasse. Von irgendwo kommt wieder die Katze. Immer wenn es nach Fisch duftet. Nun ist es Zeit mit den Gedanken abzuschließen. Zeit für die Fähre in Bastia. Ich werde wiederkommen...

Paradiesische Stätte des Seelenfriedens: La Chiappa bei Porto-Vecchio.

Die alte Holz-Jacht hat doch mehr Charme als der Riesenkreuzer?

Netter Kellner und köstliche Austern im Pfahlbaurestaurant.

Sonniges, stundenlanges Anstehen vor dem Napoleon-Haus in Ajaccio.

Herrlich frisches St. Georges-Mineralwasser direkt aus dem Brunnen.

Künstler und Lebenskünstler Antoine-Piere Sampieri in Sartene.

Publiziert in Frankreich

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