Dinkelsbühl ist die allerschönste Altstadt Deutschlands

Dinkelsbühls OB Dr. Christoph Hammer und TV-Chef Günter Schürlein präsentieren bei der Fisch-Erntewoche die herrlichen geräucherten Karpfen. Dinkelsbühls OB Dr. Christoph Hammer und TV-Chef Günter Schürlein präsentieren bei der Fisch-Erntewoche die herrlichen geräucherten Karpfen.

von Hannes Krois
Dinkelsbühl ist keine künstliche Filmstadt für diverse Ritterfilme.

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Dinkelsbühl ist in seiner baulichen Substanz Mittelalter pur und wurde ganz offiziell zur schönsten mittelalterlichen Altstadt Deutschlands erklärt. Dinkelsbühl liegt direkt an der „Romantischen Straße in Verbindung mit Nördlingen, Rothenburg ob der Tauber und Bad Winds- heim im fränkischen Teil Bayerns. Heute ein wenig abseits von den Autobahnen in südwestlicher Richtung von der fränkischen Metropole Nürnberg. Im Mittelalter allerdings, lag die Stadt Dinkelsbühl direkt an der Nahtstelle wichtiger Verkehrsverbindungen zur Ostsee und nach Italien sowie nach Worms, Prag und Krakau. Somit eine wichtige strategische Handelsstadt. Wichtig auch für den Kaiser in Wien. Dinkelsbühl war Kaiserstadt und direkt dem römisch deutschen Kaiser unterstellt. Es grenzt an ein Wunder, daß Dinkelsbühl in seiner baulichen Substanz vollständig erhalten ist, obwohl das Land immer wieder von Kriegen beherrscht wurde. Reichtum und Armut, Pest und Tod standen immer wieder Seite an Seite. Die Handwerker pflegten ihre Zunftgemeinschaft. Schlußendlich war man Bürger in einer kaiserlichen Stadt. Abgesichert innerhalb der wehrhaften Stadtmauern. Weitaus besser gestellt als die bäuerlichen Menschen auf den Höfen und in den Dörfern. Die Lehenshoheit verfügte über die Menschen außerhalb der schützenden Stadtmauern. In den zahlreichen Kneipen der Stadt rann Bier und Wein in Strömen. Das Wasser aus den Brunnen war zum Trinken ungenießbar. Viel zu wenig wurden Hygieneregeln beachtet. Die Abwässer der Nacht wurden aus den Töpfen auf die Straßen entleert. Ruhr, Pest und Cholera raffte somit die Mehrheit der Bürger hinweg. Der mittelalterliche Mensch glaubte an das Leben im Himmel nach dem irdischen Tod. Himmel, Fegefeuer oder Hölle standen zur Auswahl. Die Katholische Kirche benötigte speziell für den Dombau in Rom jede Menge Geld. Also konnte man sich bei den Ablaßpriestern von den Sünden freikaufen. Die Adeligen hatten jede Menge Geld. Doch die Bürger und Bauern stöhnten unter den Kosten für eine befreite Seele. Mit den 95 Thesen des Augustinermönchs Dr. Martin Luther gegen den Ablaßhandel im Jahre 1517 kam ein Haufen Bewegung in die folgende Reformation in all den deutschen Landen. Man hätte wohl gedacht, daß in Dinkelsbühl des Kaisers Katholizismus außer Frage gestellt wurde. Auch in der Kaiserstadt Dinkelsbühl wurde dem Protestantismus gehuldigt. Doch in Dinkelsbühl gab es ab 1548 den von Kaiser Karl V aktivierten Augsburger Religionsfrieden zwischen Protestanten und Katholiken. An den Hausfassaden der Katholiken wurden Marienfiguren angebracht. Damit man klar erkennen konnte, nach welcher Glaubensrichtung in den Bürgerhäusern gebetet wurde. Heute kann man das nach nahezu 500 Jahren noch erkennen. Frau Christa Schürlein, eine begnadete Stadtführerin kennt jeden Stein in ihrem Dinkelsbühl. Somit ist es eine große Freude für geschichtlich interessierte Menschen, mit ihr das mittelalterliche Dinkelsbühl zu erkunden. In Dinkelsbühl ist alles Mittelalter. Romantisch, gespenstisch und beständig für die Zukunft. Eine wunderbare Stadt voll der Verneigung zur Geschichte und voll Antrieb für die Zukunft. Eine Stadt zum Erleben und zum Leben. Als Motor in all diesen Entwicklungen steht Dinkelsbühls Erster Bürgermeister Dr. Christoph Hammer. Christa Schürlein erklärte, daß Dinkelsbühl neben den Stadtmauern auch für die angreifenden Feinde mit einem unüberwindbaren Hindernis aufwarten konnte. Nämlich unglaublich viele aneinander gereihte Teiche und Weiher. In diesen Gewässern schwimmen traditionell die aller- besten Dinkelsbühler Karpfen. Ende Oktober gibt es alljährlich die Fisch-Erntewoche. In dieser Zeit werden zahlreiche Teiche abgefischt und landen fangfrisch in den Küchen der heimischen Gaststätten. Wir besuchten zum Karpfenschmaus das stilvolle Restaurant des „Hotel Weißes Roß“ (www.hotel-weisses-ross.de). In dem historischen Hotel-Restaurant finden sich Feinschmecker, Romantiker und Künstler. Seit über 100 Jahren treffen sich hier speziell Maler. Dinkelsbühl bietet nicht nur tolle Motive sondern erstrahlt auch in einem ganz speziellen Licht. Alte Ölbilder hängen in der historischen Gaststube. Irgendwann einmal ein Tauschobjekt gegen Kost und Logis. In alter Tradition gibt es hier eine Malschule.
Der Karpfen aus dem Rohr erhob sich zum kulinarischen Kultwerk. Dazu eine Fisch-Suppe, die wahrlich süchtig machen kann. Dazu Frankenwein oder ein süffiges Bier aus der Dinkelsbühler Brauerei. Christa Schürlein erzählt von den Handwerkern, die alle einen Ring im Ohr hatten. Hatte sich ein Handwerker was zu Schulden gemacht, riß man dem armen Menschen den Ring durchs Ohrläppchen. Jeder wußte nun: Das ist ein Schlitzohr! Der Dinkelsbühler Christoph von Schmid setzte sich sehr für die Verständigung der beiden christlichen Konfessionen ein. Zusätzlich wurde Schmid mit dem Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ berühmt. Durch die mittlerweile europaweit bekannte „Dinkelsbühler Kinderzeche“ festigt sich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) alljährlich im Dinkelsbühler Kulturleben. Im Jahre 1632 erobern die Schweden unter König Gustav Adolf die Stadt. Der Sage nach haben die Dinkelsbühler Kinder mit der „Kinderlore“ an der Spitze die Herzen der schwedischen Eroberer erwärmen können. Deshalb wurde Dinkelsbühl von Plünderung und Brandschatzung verschont. Seit 1897 gibt es in Dinkelsbühl die Festtage der Kinderzeche. Dabei werden alle historischen Bereiche aus dem Dreißigjährigen Krieg dargestellt. Der Begriff „Schulzeche“ stammt aus dem Jahr 1629. Dies war ein bezahlter Ausflug der Lateinschüler. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam der Begriff der evangelischen „Kinderzeche“ hinzu. Mittlerweile gibt es ein „Kinderzech-Zeughaus“, das den Festspielen übers Jahr ein historisches Zuhause gibt. Unglaublich ergreifend ist der gotische Münster St. Georg. Des Drachentöters Kirche ist ein bauliches Juwels. Gleichzeitig auch der Mittelpunkt der mittelalterlichen Stadt. Hier trifft man abendlich auch den Nachtwächter, der mit seiner Hellebarde und Laterne durch die Gassen geht und nach dem Rechten schaut. Der Nachtwächter hat nichts dagegen, wenn man als Begleiter mitgeht. Ganz im Gegenteil. So kann er seine zahlreichen Dinkelsbühler Geschichten loswerden...

Historische Häuserfassaden am sogenannten Weinmarkt.

Das Wörnitztor ist das älteste aller Stadttore in Dinkelsbühl.

Christoph von Schmid-Denkmal vor dem Münster St. Georg.

Die Maria-Figuren an den Fassaden haben katholischen Ursprung.

Das Deutsche Haus ist berühmt für die schöne Fassade.

Herrlicher Karpfen im historischen Restaurant „Weißes Roß“.

Publiziert in Deutschland

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