Herrliche Landschaftsmotive und Blutrache in Korsika

Mitten auf dem Bavella-Paß (1218 Meter Seehöhe) beim Alta Rocca-Bergmassiv steht die Statue Notre Dame des Neiges. Mitten auf dem Bavella-Paß (1218 Meter Seehöhe) beim Alta Rocca-Bergmassiv steht die Statue Notre Dame des Neiges.

von Hannes Krois
Korsika erleben, ergründen, erfahren, erschmecken und begreifen...

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Das ist schon eine Seelenwanderung. Die höchst sauberen und bildschönen Küstenlandschaften präsentieren den Touristen historisch höchst attraktive Städte wie Bastia, Porto Vecchio, Bonifacio und Ajaccio mit dem Geburtshaus Napoleons. Im Geburtsjahr Napoleons 1769 wurde Korsika von den Franzosen militärisch eingenommen. Der Korse Napoleon wurde somit Franzose und unterwarf in blutigen Schlachten die halbe Welt. In Ajaccio feiert man Napoleon als Korsen an jeder Ecke. Die allermeisten Touristen zieht es in der kurzen Saison von Mai bis Oktober an die herrlichen Strände. Kies, Sand oder Fels. Wie es beliebt. Die Fischer bringen jeden Morgen die allerschönsten Fische und Meerestiere in die Restaurants und Fischmärkte. Zahlreiche Touristen haben eine Ferienwohnung gebucht oder irgendwo direkt am Meer einen Bungalow ergattert. Ein Auto auf Korsika ist Grundvoraussetzung. Somit gibt es die Möglichkeit für kleine Abenteurer von Genua, Savona oder Livorno mit der Autofähre zumeist Bastia anzufahren. Da wäre eine Nachtfahrt samt Kabine ratsam. Andere kommen mit dem Flieger und leisten sich ein Mietauto. Dann eröffnet sich Korsika als „die Schöne“, wie die Insel schon die Griechen nannten. Viele betrachten Korsika als das Paradies schlechthin und kommen immer wieder hierher. So vielschichtig Korsika als Insel ist, so widersprüchlich ist auch die widerspenstige korsische Seele. Einerseits stand die Insel seit immer schon unter Fremdherrschaft. Die meisten Korsen betrachten die Franzosen als Fremde. Demnach wird auf Paris allgemein „gepfiffen“. Schon allein das Wappen der Korsen zeigt einen befreiten schwarzen Sklaven mit Kopftuch. Ein symbolischer Wink in Richtung Unterdrückung. Als Draufgabe gibt es kaum eine Straßentafel, die nicht durchschossen wäre. Die französische Schrift auf den Tafeln ist zumeist überpinselt.

„Vater des Vaterlandes“ Pasquale de Paoli in der Stadt Corte.

Austern, Miesmuscheln, Meeresschnecken und Kaisergranaten.

Viele Korsen finden sich wieder in ihrer alten Sprache ein. Das Korsische ist eine eigenständige romanische Sprache. Gesungen werden auch wieder die alten Hirtenlieder als Mehrklang. Wirtschaftlich hinkt die Insel als Schlußlicht Frankreichs hinten nach. Obwohl die Reichsten mit den größten Jachten speziell in Bonifacio anlegen lassen. Die kurze Saison macht eben wirtschaftlich das „Kraut nicht fett“. Einig ist sich ganz Korsika immer jährlich am 8. September, dem „Heiligen Tag“ der Korsen. Auf den alten Friedhöfen der Familien erinnert man sich an den Wahnsinn der Blutrache. Einerseits tiefgläubig und andererseits im Zwang schon im Morgengrauen wieder einen Menschen zu erschießen, war Korsikas Schicksal. Die Rachegesänge der Witwen heizten das Morden soweit an, daß es jährlich tausende Ermordete gab. Im Namen der Ehre. In den Städten und Dörfern rund um die Alta Rocca, dem Hochgebirge im Süden Korsikas, waren die Zentren der Blutrache. Sartène, Zonza und Fozzano waren die Hochburgen des Todes. Die verletzte Familienehre war erst dann gesühnt, wenn alle männlichen Mitglieder des anderen Lagers ermordet waren. Zahlreiche Mörder flüchteten in die Wildnis der Bergwelt. Auf das Bergmassiv der Alta Rocca führen von den Küstenorten Solenzara oder Porto Vecchio höchst steile Serpentinen in die Bergwelt.

Wirtin Carmen mit frischen Meerestieren im Aux Coquillage de Diana.

Die alte Stadt Zonza ist Kreuzungspunkt einiger Straßen im Bergmassiv Alta Rocca.

Wir fuhren von Solenzara bishin zum Bavella Paß. Auf einer Anhöhe steht die Notre Dame des Neiges-Statue als Andachtstätte. Ein Kerzenmeer rund um die Statue. Eine herrlich erfrischende Luft, gewürzt mit dem Duft der Schwarzkiefern. Hinter jeder Straßenkurve herrlichste Panorama-Bilder. Natürlich sind diese Straßen für Motorradfahrer und Radfahrer einprägende Erlebnisse. Bei Zonza erfrischen sich viele Natur-Begeisterte im herrlich reinen Wasser eines Gebirgsbaches. Rund um die Bavella-Massiv dieser „korsischen Dolomiten“ erstrecken sich große Schwarzkiefernwaldungen. Weiters Wälder mit Steineichen und natürlich Kastanien soweit das Auge blicken kann. In Zonza ist in einem der Cafe`s eine Erfrischung angesagt. Im Hotel du Mouflon d`Or wurde übrigens Marokkos König Mohammed V. Von 1953 bis 1956 unter Hausarrest gestellt. Die Straße führt steil bergab in Richtung Porto-Vecchio und besteht nur aus Kurven. Vor uns stürzte sich ein Rennfahrer gleichsam die Straße hinab. Irrsinn oder Mut? In der romantischen Ortschaft l`Ospidale hatten die Römer einst ein Spital. Von Porto-Vecchio führt die Fahrt entlang der wunderschönen Buchten und Strände nördlich nach Aleria. Dort sind die historischen Muschelbänke und das beste Muschellokal von Korsika namens Aux Coquillages de Diana. Herrliche frische Meerestiere und Austern direkt aus der Bucht. Dazu ein korsischer Weißwein. Hervorragend fruchtig. Dann noch zum Abschluß einen Ristretto und weiter geht die Fahrt nach Corte. Nicht nur der geographische Mittelpunkt Korsikas, sondern für viele Korsen auch der Politische. Im Zentrum von Corte steht die Statue von Pasquale de Paoli. Dem „Vater des Vaterlandes“, bevor eben die Franzosen kamen. Paoli gründete in Corte auch die einzige Universität Korsikas. Mit den Franzosen 1769 wurde auch die Hochschule gesperrt und erst 1981 wieder eröffnet. Das wahre Gesicht Korsikas eröffnet sich für die Touristen erst in den Bergen. Korsika ist eine Insel mit Suchtpotential zum Wiedersehen...

Baden im Gebirgsbach in der Alta Rocca ist ein Naturerlebnis.

Espresso und Croissant vor der kleinen Bäckerei in Porto-Vecchio.

Im Zentrum von Corte mit seinen zahlreichen Cafe`s.

Publiziert in Frankreich

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