Triest, Miramare und Duino – Bellissimo!

Heute ein optisches und touristisches Glanzstück.  In der Zeit von Kaiserin Maria Theresia das Hafen-Handelszentrum der Habsburger-Monarchie. Heute ein optisches und touristisches Glanzstück. In der Zeit von Kaiserin Maria Theresia das Hafen-Handelszentrum der Habsburger-Monarchie.

von Hannes Krois
Einfach für ein paar Tage raus aus dem naßkalten, nebeligen Herbst und weg von frostigen Wintertagen.

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Schneller als gedacht. In etwas mehr als drei Stunden Autobahnfahrt über Marburg und Laibach kann man in Triest den Motor abstellen. Wohl bemerkt noch in Österreich oder zumindest Slowenien volltanken. Denn die Spritpreise in den italienischen Autobahn-Tankstellen sind irre hoch. Das Hotelangebot in Triest ist gründlich.Ein Hotelparkplatz wäre allerdings schon angebracht. Denn die Parkplätze in Triest sind schlußendlich Mangelware. Dafür gibt es ein ausgesprochen effizientes Busnetz mit zahlreichen Bussen,die im Glücksfall auch einen Bushalteplatz vorm gebuchten Hotel haben. Die Buskarten sind günstig. Dafür muß man ein wenig Geduld aufbringen und sich auch die zahlreichen Richtungsnummern merken können.
Sollte das nicht so sein, dann gibt es Überraschungsfahrten. Zumal die Busse sogar bis zu den Dörfern der Buschenschenker und Winzer im umliegenden Karst, sprich „Osmice“ fahren. Bei der Stazione Centrale (Hauptbahnhof) ist man schon einmal auf der richtigen Spur in die Altstadt samt dem Hafen. Die Säulen und Stufen des altrömischen Theaters verweisen auf die römische Geschichte von Triest. Alle anderen   Gebäude der gesamten Innenstadt könnten in Wien oder Prag stehen.
Bereits 1382 haben die Habsburger begonnen, Triest aufzubauen. Im Jahre 1719 war Triest bereits der größte Hafen der Monarchie und 1900 mit seinen damals 200.000 Einwohnern nach Wien, Budapest und Prag die viertgrößte Stadt der Monarchie. Es war schlußendlich Kaiserin Maria Theresia, die das ehemalige 5.000-Seelen-Dorf zum weltoffenen Triest ausbauen ließ. Die herbstliche Vormittagssonne streift wärmend die Straßen und Plätze entlang des Hafens. Ein Bild der heutigen Lebenslust und der vergangenen Monarchie und der einmalige Canal Grande mit seinen zahlreichen kleinen Lokalen entlang der Promenade. Ristretto und Espresso, Prosecco und Aperol sind sehr gefragt. Dazu als Gedeck auf den kleinen Tischen in Schalen Oliven, Chips und Nüsse.

Die Burg Duino mit all ihrer geschichtlichen Faszination.

Das Märchenschloß Miramare hat Besuchs-Verpflichtung.

Die Menschen sitzen speziell auch vor den kultigen Buffets. Sehr berühmt ist „Da Pepi“ aus dem Jahre 1897. Schinken, Würste, Käse attraktiv serviert, gehören zum kulinarischen Kult von Triest. Frische Meerestiere gibt es rundum in den kleinen Tavernen, Bistros und Restaurants.
Über die historistischen Gebäude hinweg, lugt die Frontansicht eines Kreuzfahrtschiffes hervor. Es ist eines der modernen Schiffe der Costa-Line, das hier vor Anker liegt. Auf die zahlreichen Menschen mit Gepäck wartet zumindest eine erholsame Kreuzfahrtwoche auf der Costa.
Gleich um die Ecke ist die gigantische Piazza dell“unita. Der Platz der Vereinigung Italiens, umringt von rein österreichischen Gebäuden. In der Mitte das markante Rathaus. Wie üblich an den Wochenenden wird hier fleißig geheiratet. Dem Zaungast am historischen Brunnen aus dem Jahre 1750 bietet sich im besten Blickwinkel das reale Schauspiel „Hochzeit auf Italienisch“. Im Mittelpunkt die Mama, der vergötterte Sohn, der heiraten darf oder soll. Der Vater, der die kessen Freundinnen der Braut anhimmelt und die wunderschöne Braut, die ein wenig zu spät kommt. Die Hochzeitsgesellschaft atmet hörbar auf. Hochzeiten im Halbstundentakt sind hier angesagt. Soviel Hochzeiten machen Gusto auf einen Espresso.
Triest ist ja die Espresso-Hauptstadt schlechthin.  Mit den Kaffeladungen aus allen Anbaugebieten hatte die Hafenstadt Triest einen enormen Vorteil rund um die Kaffeebohne. Aber der richtige Start von Triest als Stadt des Kaffee`s begann im Jahre 1892. Der gebürtige Deutsche Hermann Ernest Hausbrandt gründete die erste Rösterei. Heute gehört die Marke Hausbrandt zu Segafredo. Im Jahre 1933 gründete Francesco Illy (Vater Ungar, Mutter Schwäbin) mit seiner österreichischen Frau den Grundstein für die Kultmarke Illy. Mit Illy bekam jede einzelne Kaffeebohne eine Wertigkeit. Das Kaffeerösten wurde hier in Triest in die Richtung einer akademischen Meisterleistung versetzt. Die Suche nach dem besten Ristretto in den kleinen Gassen der Altstadt kann man wie ein Spürhund der Nase nach oder mit Glück und Zufall ausrichten. Meinen Lesern will ich die romantische Via di cavana vorschlagen. In dieser Straße ist sowieso alles wie es einmal war und wie es die Italiener in vollen Zügen lieben. Bistro, Gemüseladen, Schinkengeschäft auf kleinstem Raum zusammen. Und dann in der Mitte „La Triestina Industria del Caffee“. Im Jahre 1948 wurde  „La Triestina“ gegründet. Seitens der Optik außen und innen könnte man als Retrokenner die letzte Erneuerung 1955 vormerken. Doch diese kleinste Kaffeerösterei samt Kaffeehaus ist einfach Kult. Kleinste Mengen der besten Bohnen werden hier sorgfältigst geröstet. Das Ergebnis ist ein paradiesischer Ristretto. Dieser Ristretto macht all das bislang Verkostetete und Getrunkene nur zur Spezies Kaffee. „Trink den zweiten Ristretto und dein Herz beginnt zu rasen... „Somit hat diese Via cavana wahrlich süchtig gemacht!

Ein Kreuzfahrtschiff der Costa-Line in Triest angelegt.

Vom idyllischen Miramare der Blick zur Meeresbucht.

Wäre nicht diese Reisereportage, würde ich in der Via di cavana verbleiben.  Doch nach dem guten Frühstück im weniger guten Hotel Greif zeigt sich kein Hungergefühl. Somit anstatt Kulinarik noch Kulturprogramm. Also wieder hinaus aus der Stadt über die Via miramare zum Märchenschloß Miramare. Nach dem Motto „Gott, Kaiser, Vaterland“ ließ sich hier auf einem Felsen Kaiser Franz Josephs lustigerer Bruder Ferdinand Maximilian ein Wunschschloß erschaffen. Die Mo- narchie hatte gerade noch einmal die Revolution 1848 überstanden. 1855 begannen Erzherzog Maximilian und seine belgische Prinzessin Charlotte auf Miramare zu leben. 1864 wurde Maximilian Kaiser von Mexiko. Somit wurden auch die Räume im Obergeschoß mit den Kaiserfarben Rot und Gold eingerichtet. Großes Pech für Kaiser Maximilian, daß er bereits 1867 erschossen wurde. Kaiserin Sissi war oft im Rahmen ihrer „Wiener Auszeiten“ auf Miramare. Wenige Kilometer weiter entlang der Küste ist  Duino. Hier ging historisch buchstäblich „Post ab“. Denn die Burgbesitzer sind in der Geschichte der Adelsfamilien Thurn und Taxis und in der romanisierten Fassung Torre e Tasso. Jedenfalls erhielt diese Familie das europäische Postrecht über all die Jahrhunderte. Ausgenommen England. Die Briten haben auch heute noch rote Postkästen anstatt der gelben. Zahlreiche Künstler fanden sich bei ihren adeligen Sponsoren in Duino ein. So auch Rilke, der hier Muse und kostenlose Ernährung finden konnte. Der sogenannte Rilke-Weg im Garten soll jedenfalls die Sinne beflügeln. Unweit von Duino ist der Hügel Hermada. Hier leistete ein Vorfahre der Kapfensteiner Familie Winkler im Jahre 1916 eine militärische Großtat. Seither ist der Klein- adel im Namen „Winkler-Hermaden“ verankert.
Arrivederci – wir kommen wieder!

Der wohl allerbeste Ristretto im „La Triestina“.

In der Via di cavana: Man weiß den Aperol zu zelebrieren!

Publiziert in Italien

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