Badebuchten und Bergdörfer im Süden Korsikas

Rötlicher Fels und blaues Meer. So gestalten sich die kleinen Buchten zwischen dem FKK-Ressort „La Chiappa“ und der Hafenstadt Porto Vecchio.. Rötlicher Fels und blaues Meer. So gestalten sich die kleinen Buchten zwischen dem FKK-Ressort „La Chiappa“ und der Hafenstadt Porto Vecchio..

von Hannes Krois
Was treibt den Mitteleuropäer, den Deutschen, Österreicher, Schweizer und Franzosen nach Korsika?

add

Die Anfahrt zur Hafenstadt Savona in der italienischen Provinz Ligurien ist schon eine „kleine“ Reise. Die Fähre nach Korsika zur Hafenstadt Bastia legt um Punkt 23.00 Uhr ab. Bitte beim Fährhafen ja nicht die Pizza bestellen. Sie ist in der Gesamtheit grauenhaft. In knapp vier Stunden Fahrzeit wäre ich in Koversada am Limski Kanal in Istrien gewesen. Dort würde ich nun zeitgleich auf der Terrasse sitzen und Muscheln mit Malvasia verkosten. Hervorragend. Doch nur ein Gedanke.
In der Realität bin ich in Savona und fahre  so um 22.00 Uhr in den „Rachen“ des Fährschiffes der „Corsica Ferries“. Auto abschließen und rauf an Deck oder in einen der Salons. Wer keine Kabine gebucht hat, der „schläft“ irgendwo. Am besten draußen im Juli. Innen feiert die Klimaanlage ihre spezielle Eiszeit. In der roten Morgensonne erscheint die korsische Hafenstadt Bastia um 06.30 Uhr in ihren Konturen. Um 07.00 Uhr startet die Fahrt aus dem Schiff auf das Festland von Korsika. Also Augen auf nach einem Cafe. Nach einigen Ristretti dann noch 140 Kilometer in den Süden.
Nach La Chiappa. Ein von Miramare (miramare-reisen.de)  angebotenes FKK-Resort unweit von Porto Vecchio im Süden Korsikas. Die 1968 und somit erste FKK-Anlage auf Korsika. Gegründet damals von einem deutschen Elektriker namens Adolf Krebs Der Name „La Chiappa“ heißt höchst uncharmant „Arsch­backe“. Mittlerweile sind auf Korsika zahlreiche FKK-Anlagen. Doch „La Chiappa“ ist der Pionier. Die kleinen Bungalows stehen unweit des Strandes bis hinauf auf eine Anhöhe. Der Bungalow in unserer gebuchten Kategorie hat einen Schlafraum mit eingerichteter Küchenzeile samt Gasherd  einen Sani­tär­raum und eine wundersam schöne, überdachte Terrasse mit einem Tisch und zwei Stühlen. „Mensch, was brauchst Du mehr!“ Das Meer ist knapp 20 Meter entfernt. Die Temperaturen Ende Juli rund um 40 Grad. In der Nacht vielleicht etwas weniger. Dafür kein Wind oder Luftzug. Das Wasser „bacherlwarm“ so um 30 Grad.

Blick über die Zitadelle in Bonifacio ins malerische Hafenbecken.

In diesen Bergdörfern herrschte die Blutrache über viele Jahrhunderte.

Herrliche Schinken, Salami, Coppa und Schafskäse vom Erzeuger.

Rundum wachsen Oleander in aller Farbenpracht und Kakteen in bizarren Formen sowie zahlreiche Korkeichen.In der Nacht rauschen manchmal kleine Wildschweine durchs Ressort. Aus purer Neugierde oder auf der Suche nach etwas Eßbarem. In „La Chiappa“ schwer möglich, denn die Abfallplastiksäcke in den Kübeln werden täglich aus­gewechselt. In den Wäldern Korsikas gibt es eine Vielzahl von Wildschweinen und verwilderten Hausschweinen, die sich vorrangig von den Kastanien ernähren. Aus dem Fleisch werden die herrlichen Würste und Schinken produziert. Ein wunderbarer Duft ummantelt die Berge von Coppa, Salami und Schinken auf den Verkaufstischen der Direktvermarkter bei den Bauernmärkten in Porto Vecchio. Dazu noch die Vielzahl der diversen gereiften Schafkäse, eben Pecorino bringt Korsika in die Nähe eines kulinarischen Schlaraffenlandes. Na- türlich gibt es zahlreichste Restaurants. Zudem auch ein dichtes Netzwerk von Spar-Märkten. Diese Spar-Märkte auf Korsika sind wahre Feinkostläden. Hier gibt es zahlreiche regionale Produkte und auch wunderbares Frischfleisch. So das spezielle Karree vom heimischen Schwein mit einem großen, schneeweißen Fettrand. In der Pfanne karamellisiert das Fleisch zu einer wahren Köstlichkeit. Einziger Wermutstropfen: Die Lebensmittel auf Korsika sind nicht billig. Anstatt in die Restaurants zu gehen, kochen die meisten Touristen in den Ferienwohnungen und Bungalows ihre Mahlzeiten. Und dazu den günstigen und sehr guten Rose-Wein oder Pietra, das korsische Kastanienbier.
Rund zehn Kilometer von „La Chiappa“ entfernt, liegt die Hafenstadt Porto Vecchio, Korsikas drittgrößte Stadt. In der Altstadt ein Netzwerk mit engen Gassen und einer Vielzahl von Bistros, Cafes und Restaurants. Von Porto Vecchio bis zum Bergdorf Zonza eröffnet sich der bizarre und wilde Süden Korsikas. Die Straße führt über zahlreiche Serpentinen hinauf nach Foret de lÒspedale. Bergwelt pur mit zahlreichen Nadelwäldern. Hier besteht permanent größte Brandgefahr.
Unmittelbar neben der Straße der große Stausee, der bei Niedrigwasser die Wurzeln und Stämme der riesigen Bäume präsentiert. Die Luft ist würzig und duftet nach Harz, Kräutern und Nadelgehölz. Weiter führt die Straße nach Zonza. Die Rast dort tut dem Motor gut. Das 784 Meter hoch gelegene Bergdorf ist  Ausgangspunkt für Ausflüge in die Alta Rocca.
In Zonza wurde übrigens Marokkos König Mohamed V. Von 1953 bis 1956 unter Hausarrest gestellt. In dieser Bergwelt im Süden Korsikas herrschte über lange Zeiten das Gesetz der Blutrache. Viele Familien wurden durch die sogenannte „Vendetta“ ausgelöscht.
Weiter geht die Berg- und Talfahrt nach Levie. Hier kann man der Geschichte der Ureinwohner, der Torreaner aus dem 2. Jahrhundert vor Christi begegnen. Im folgenden Dorf Sainte-Lucie-de-Tallono wird das seltene Gestein Kugeldiorit abgebaut. In Richtung Propriano steht die über 700 Jahre alte Bogenbrücke aus genuesischer Zeit. Das geschichtsträchtige Propriano hat einen modernen Jachthafen und zahlreiche Restaurants am Kai. Die Touristen finden hier frische Muscheln im Topf und sagenhaft große Pizzen. Weiter geht die Fahrt nach Sarténe. Hier war die Blutrache derart stark, daß die Stadt zweigeteilt werden mußte. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts! Auch heute noch versprüht die Stadt mittelalterliche Stimmung. Über Rocher du Lion und Baie de Figari führt die Straße zum absoluten Highlight nach Bonifacio. Zur einzigartigen Stadt am südlichsten Zipfel Korsikas. Die alte Stadt thront gespenstisch 60 Meter über dem Kreidefelsenriff. Die italienische Insel Sardinien ist von hier lediglich acht Seemeilen entfernt. Die 3000 Bewohner leben mit dem steilen Kreidefels. Im Schutze dieses Felsens und des fjordähnlichen Hafenbeckens war hier in der Geschichte die Seeräuberei an erster Stelle.
Heute stehen hier im Hafen die teuersten Jachten. Die Touristen genießen die romantische Atmosphäre in der Abendsonne. Wenn das Licht langsam hinter der Zitadelle verschwindet und die nächtliche Beleuchtung Bonifacio in einer weiteren Stimmungsform zum Glänzen bringt, dan weiß man schlußendlich, warum man nach Korsika gefahren ist. Wer Bonifacio nicht gesehen hat, der hat Korsika nicht erlebt...

Die bewaldete Bergwelt rund um das bekannte Bergdorf Zonza.

Das alte Hotel le Tourisme mitten in Zonza hat Atmosphäre.

Regionale Spezialitäten in den kleinen Restaurants in Porto Vecchio.

Publiziert in Frankreich

Impressum / Datenschutz

Facebook