Auf kurvigen Straßen von Ajaccio bis Bastia

Rund um die Zitadelle von Ajaccio eröffnet sich der öffentliche Sandstrand. An den Wochenenden kommen hier auch Einheimische zum Baden. Rund um die Zitadelle von Ajaccio eröffnet sich der öffentliche Sandstrand. An den Wochenenden kommen hier auch Einheimische zum Baden.

von Hannes Krois
Man begegnet dem Mythos Napoleon in Korsika und ganz speziell in Ajaccio an jeder Ecke.

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Im Jahre 1769 wurde Napoleon in Ajaccio geboren. Gerade in dem Jahr, als Korsika Frankreich einverleibt wurde. Die Vorfahren Napoleons stammen aus dem italienischen La Spezia. Wie die allermeisten Korsen speziell im Norden Korsikas. Schlußendlich hatte einst Genua über 500 Jahre lang hier über diese Insel geherrscht. Die Korsen sind somit in ihrer Art eine Mixtur aus italienischen und französischen Genen. Samt einer hohen Dosis aus den Wurzeln der hier ansässigen Urbevölkerung und der einstigen Eroberer. Ein temperamentvolles Inselvolk, das sich von Frankreich spezielle regionale Rechte abgerungen hat. Seine Geburtsstadt Ajaccio machte Napoleon im Jahre 1811zur Inselhauptstadt. Heute leben hier 65.000 Menschen. Eine sehenswerte Stadt mit einer gepflegten Altstadt und der Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert. Entlang der Rue de Cardinal Fesch präsentieren sich Boutiquen, Bistros und Spezialitätengeschäfte mit den berühmten Würsten, dem eingelegten Rollschinken (Coppa) und den attraktiven Roséweinen von der Insel. Sehenswert  auch das interessante Palais Fesch. Im Bereich der Cathedrale Notre Dame ein malerisches Bildnis von alten und engen Gassen. Hier steht auch das Geburtshaus von Napoleon. Heute als Maison Bonaparte ein Museum. Im Schatten der engen Gasse reihen sich kleine Lokale mit lokalen Spezialitäten und natürlich dem ganz speziellen Kastanienbier im Angebot. Die Edelkastanien sind das traditionelle Grundnahrungsmittel auf Korsika. Tausende zumeist verwilderte Kastanienbäume sorgen für die  herbstlichen Früchte. In der Region Castagnicca, dem Kastanienland gibt es die allermeisten Maroni. Der Kastananienreichtum Korsikas wurde im 15. Jahrhundert besiegelt. Ein Gouverneur aus Genua verpflichtete die Bauern und Landeigentümer, jährlich mindestens vier Bäume Feigen, Oliven oder Kastanien zu pflanzen. Das Kastanienmehl wurde zur traditionellen Armenkost für Polenta und Suppen. Heute ist diese Polenta mit gebratenen Würsten oder Wildschweinleber eine kulinarische Sensation. Sowie auch das Kastanienbier Pietra, das außerordentlich schmackhaft ist. Solch ein Pietra in einem Bistro in der Altstadt von Ajaccio war die Belohnung für die Sommerhitze in der Stadt Napoleons. Aus der Hitze Ajaccios führt die kurvige Bundesstraße in Richtung Corte. Der Motor quält sich in die Bergwelt Korsikas. Tiefgrüne Wälder und bizarre Felsen zeigen das Korsika abseits der Buchten und Strände. Die Kurven und die unendlich vielen Steigungen lassen die Fahrtdauer in die Höhe schnellen. Dafür gibt es glasklare und würzige Bergluft und mitteleuropäische Temperaturen. Hier bekommen Wanderer, Kletterer, Rad- und Motorradfahrer ihre ganz spezielle Erlebniswelt. Unberührte Natur mit dem Stausee Lac de Tolla. Die kleinen Bergdörfer Tolla und Ocana schmiegen sich in das Landschaftsbild ein. Auch die Touristen achten penibel auf die hohe Brandgefahr. Eine achtlos weggeworfene Zigarette reicht schon und ganze Kiefernwälder gehen in Flammen auf. In diesen Höhen fühlen sich auch die Ziegen und Schafe wohl. Die Bauern produzieren aus der Milch den berühmten korsischen Pecorino. Ein Käse der Sonderklasse hinsichtlich Aroma, Reife und Würze. Auf den Bauernmärkten werden solche kulinarische Spezialitäten angeboten.

Bastias Altstadt rund um den alten Hafen mit romantischem Ambiente.

Malerische Siedlungen inmitten der Bergwelt rund um die Unistadt Corte.

Gemütliche Straßencafes vor dem Geburtshaus-Museum Napoleons.

In Bocog- nano sollte man eine Rast im Schatten der hohen Bäume einlegen. Der Motor würde es auch danken. Von hier wandern zahlreiche Menschen zum sogenannten Brautschleier-Wasserfall. Mit 150 Meter, der höchste Wasserfall Korsikas. Ein erfrischendes Erlebnis nach einer Stunde Wanderzeit. Die kurvige Straße zieht sich weiter in die Höhe. Rundum auch die Bergwelt mit ihren bizarren 2.000ern. Eine Faszination für Kletterer und Bergsteiger. Der Gipfel des Monte Rotondo (2.622 Meter) ermöglicht eine Sichtweite über Korsika. Die kurvige Straße folgt der Schmalspurbahn „Micheline“, die bis in die Höhe von 1163 Metern durch die wunderbare Landschaft fährt. Sehenswert ist die Eisenbahnbrücke Pont du Vecchio, die sich in einer Länge von 140 Metern über ein 97 Meter tiefes Tal spannt. Gebaut von Eiffelturm-Erbauer Gustave Eiffel. Umrahmt vom Gebirge liegt die Stadt Corte. Über Jahre die heimliche Hauptstadt Korsikas. Einstens Regierungssitz des freien Korsika unter Pascal Paoli (1755 bis 1769). Zudem Universitätsstadt und Stadt der Freiheitskämpfer. Die alte Zitadelle diente als Gefängnis und als Sitz der Fremdenlegion.

Die kurvige Straße führt in Richtung Bastia. Die alte Hafen-und Industriestadt Bastia hat eine 2000 jährige Geschichte bis in die Römerzeit zurück. Im II.Weltkrieg zu 80 Prozent von US-Bombern zerstört, hat die Stadt nach dem Wiederaufbau ihren historisch geprägten Charme mit starkem italienischen Flair erhalten. Schließlich war Bastia über Jahrhunderte Genuas treue Inselhauptstadt. Abseits vom Fährhafen befindet sich die Altstadt mit dem alten Hafen. Eine Augenweide für Romantiker und eine große Freude für Feinschmecker. Rund um das alte, abgerundete Hafenbecken gibt es zahlreiche kleine Lokale. Wer hier mit etwas Freundlichkeit einen Tisch entlang der Promenade erhascht, der kann Bastias Seele einatmen. Nicht minder attraktiv der Duft der großen Miesmuscheln aus dem Topf. Serviert mit selbstgemachten Frites und dazu Ketschup und Mayonnaise. Wie es eben die Franzosen gewöhnt sind. Dazu natürlich das korsische Kastanienbier und ein Glas dieses exzellenten einheimischen Rose-Weines. Umrahmt von historischen Gemäuern mit Lokalen, präsentiert sich die Kirche Eglise St.- Jean-Baptiste am alten Hafenbecken. Diese 1636 bis 1666 erbaute Kirche mit den zwei Glockentürmen ist Bastias Wahrzeichen. Gleichzeitig auch die größte Kirche Korsikas. Oberhalb der Altstadt befindet sich Bastias berüchtigte Zitadelle, genannt Terra Nova. Das einstige Zentrum der militärischen und administrativen Macht präsentiert sich mit gewaltigen Befestigungsanlagen. Von hier hat man einen Blick bis Cap Corse und zu den Toskanischen Inseln. Durch die engen Gassen der Altstadt flaniert man bis zum Place St. Nicolas. Hier im Schatten in einem der zahlreichen Lokale noch ein letztes Kastanienbier Pietra. Der Fährhafen ist nicht weit. Die Corsica Marina II legt um 23.55 Uhr pünktlich ab. Um 7 Uhr soll Livorno erreicht sein. Adieu Bastia! Wir kommen wieder. Antoine Saint-Exupery wäre auch gerne wieder gekommen. Der Autor der Erzählung „Der kleine Prinz“ flog am 31. Juli 1944 von Bas- tia zu einem Aufklärungsflug. Im Frühling 2005 fanden Taucher Wrackteile seines Flugzeuges.

Das Kastanienbier im Vordergrund bei einer Pause in Ajaccio.

Eines der Napoleon-Denkmäler am Place Marechal Foch in Ajaccio.

Viele Lokale in Bastias altem Hafen mit der Kirche St-Jean-Baptiste.

Publiziert in Frankreich

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