Faszinierendes Belfast – Heimat der Titanic

Panorama am zentralen Donegall-Square. Das Gebäude rechts ist das Rathaus, auf englisch „City Hall“. Panorama am zentralen Donegall-Square. Das Gebäude rechts ist das Rathaus, auf englisch „City Hall“.

von Dorian Krois
„There are wonderful Pubs in Belfast, you will see“, schwärmte der freundliche Taxifahrer, der mich am Flughafen Dublin abgeholt hat.

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Sehr viel mehr habe ich vorerst nicht verstanden. Der irische Dialekt ist selbst für Briten eine ziemlich „harte Nuss“. Nach etwa 90 Minuten Fahrt erreichten wir Belfast (in Belfast gibt es zwar auch einen internationalen Flughafen, allerdings sieht es mit den Direktflügen ab Wien eher schlecht aus). Die Grenzkontrollen zwischen der Republik Irland und Nordirland (Vereinigtes Königreich) wurden bereits vor Jahren abgeschafft, seit dem „Karfreitagsabkommen“ von 1998 herrscht eben wirklich Frieden auf der Insel.
Belfast, die Hauptstadt Nordirlands bietet neben der Geschichte eines langen Konfliktes, altehrwürdige Gebäude, zahlreiche Museen und unzählige Pubs, in denen man in typischer Atmosphäre  ein Guinness und viele andere Sorten Bier oder Whiskeys genießen kann. Pubs befinden sich in Belfast wirklich an jeder Ecke. Das älteste und bekannteste Pub Nordirlands, „The crown liquor salon“, bietet neben irischem Bier und Lammeintopf das typisch irische Interieur mit verwinkelten Separees. Überhaupt lädt Belfast zu kulinarischen Erlebnis- touren ein. Die meisten Restaurants im Stadtzentrum sind auffallend klein und ein wenig „posh“, also besonders hübsch eingerichtet. Interessant ist auch das Konzept der offenen Küche. Ein besonderes Erlebnis für Steak-Fans ist „Deanes Meat Locker“ in der Howard Street. Der elegante Steak-Tempel setzt dem „Show-Cooking“ noch eines drauf. Durch ein goldgerahmtes „Schaufenster“ kann man dem Grillmeister wirklich über die Schulter schauen. Danach ruft  die Barmeile „commercial court“, die an die Donegall Street kreuzt.

Wandmalerei zum Gedenken an Boby Sands.

Eleganter Steak-Burger mit Pommes im „Bistro Ente“.

Das Titanic-Museum auf dem Gelände der früheren Werft Harland & Wolff.

Bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt ist das Pub „Duke of York“.  Eine absolue Szene-Bar mit einer originellen Einrichtung aus scheinbar unendlich vielen Spiegeln und Bildern. In der Nacht meist übervoll. Das flinke und geschulte Personal bemüht sich aber trotzdem, dass man seinen Drink schnell in der Hand halten kann. 1973 sorgte das „Duke of York“ für traurige Berühmtheit, als eine Autobombe der IRA das Lokal in die Luft jagte. Belfast ist keine Stadt wie jede andere. Hier erinnert vieles noch an die raue Vergangenheit. Ganz besonders beliebt sind deshalb Sightseeingtouren entlang der „Murals“, politischer Wandbilder, die ganze Häuserseiten einnehmen. Auch das Portrait des IRA-Mitglieds Bobby Sands, der an seinem Hungerstreik  gestorben ist, wurde am Stadtrand überdimensional verewigt.
Auf dem ehemaligen Gelände der Werft Harland & Wolff eröffnete 2012, 100 Jahre nach dem Untergang des berühmtesten Schiffes aller Zeiten, das Titanic-Museum, wo der Luxus-Liner einstens erbaut wurde. 117 Millionen Euro investierte die Stadt Belfast in den Bau des gigantischen Erlebniscenters. Die Ausstellung beeindruckt bereits durch die Architektur des Gebäudes. Mit der neuesten Technik wird einem hier die Geschichte des Super-Liners lebendig vor Augen geführt. Nach einem Rundgang durch das Belfast der 1910er Jahre fährt man mit senkbaren Kabinen durch  die nachgebildete Werft – samt Hitze der glühenden Stahlbolzen und einem eigens dafür hergestellten Stahlschweiß-Geruch. Mit jeder Ebene nimmt die Titanic mehr Gestalt an. Man erlebt ihren Stapellauf und erfährt vieles über Passagiere und Besatzung auf der ersten und einzigen Reise des Schiffes. Eine virtuelle Aufzugfahrt führt die Schwindelfreien durch die Ebenen des Schiffes, vom Maschinenraum bis zum Oberdeck und in einem abgedunkelten Raum erlebt man schließlich die letzten Minuten der Titanic. Anschließend geht es auf den Spuren von Titanic-Entdecker Dr. Robert Ballard in die Tiefsee zum Wrack. Auch hier vermitteln Video-Projektionen ein plastisches und lebendiges Bild. Insgesamt aber kein Jahrmarktsspektakel, stattdessen erzählt die multimediale Ausstellung  auch ausführlich und unterhaltsam etwas über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse von Belfast. Die Titanic-Verfilmung mit Leonardo DiCaprio aus dem Jahr 1997 war mit Produktionskosten von 200 Millionen Dollar übrigens 10 Mal so teuer wie der Bau der echten Titanic.
Infos über Nordirland auch unter www.discovernorthernireland.com.

Die „SS Nomadic“ war die luxuriöseste Fähre ihrer Zeit und diente als Zubringerschiff zur Titanic. Heute ist sie ein Museum im Hafen von Belfast.

Eine Kabine der dritten Klasse im Titanic-Museum. Obwohl spartanisch eingerichtet, bot sie doch mehr Komfort als es die meisten gewohnt waren.

Michael Deane im Steak-Restaurant „Deanes Meat Locker“.

Eines der berühmtesten Pubs ist das „Duke of York“. 1973 ging vor dem Lokal eine Autobombe der IRA hoch. Bilder an den Wänden erinnern noch daran.

Publiziert in Irland

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