Auf Spuren der Liechtensteiner in Mähren

Schloß Valdice – Einst Befestigung und Liechtensteiner Familienresidenz. Heute Weinsalon im alten Keller mit den besten Weinen Tschechiens. Schloß Valdice – Einst Befestigung und Liechtensteiner Familienresidenz. Heute Weinsalon im alten Keller mit den besten Weinen Tschechiens.

Von Hannes Krois
Lange Jahre war das Weinviertel durch den Eisernen Vorhang zur einstigen Tschechoslowakei geografisch eingeschnürt.

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Eine Randlage nördlich der Metropole Wien. Im Weinviertel haben die Menschen mit einer inneren Beschaulichkeit zu leben gelernt. Einzigartige Kellergassen rücken Wein und Gemütlichkeit in den Mittelpunkt.
Rund um die Ortschaften Laa/Thaya, Poysdorf, Retz, Holla- brunn und Wilfersdorf ist hier mit einer Fläche von 13.000 Hektar der wohl größte „Weingarten“ Österreichs. In sanften Hanglagen gedeihen hier Top-Trauben für Österreichs beste Veltliner und den traditionellen „Gemischten Satz“. Vom Eisernen Vorhang an der Grenze zu Tschechien erinnert noch zeitweilig ein übriggelassener Grenzturm. Ansonsten zeigen die zahlreichen Windräder, daß hier wohl immer ein schönes Lüfterl bläßt. Wir sind auf den Spuren der seit Jahrhunderten mächtigen Familie der Liechtensteiner und so nebenbei auch einem pfeffrigen Veltliner nicht abgeneigt. Zwischen Mistelbach und Poysdorf liegt Wilfersdorf. Hier ist das Stammschloß der Liechtensteiner. Der Motor des hier eingerichteten Museums ist ein gewisser Hans Huysa, der sein Leben den gewaltigen historischen Projekten der Liechtensteiner gewidmet hat. Und somit organisiert Huysa (0664/3770806) von Wilfersdorf aus auch geführte Gruppenreisen ins nahe Südmähren zu den gewaltigen Schlössern der Liechtensteiner in Valtice ( Feldsberg)  und Lednice (Eisgrub). Über eine Landstraße bei Katzelsdorf fahren wir gemächlich dank Navi durch etliche Weingärten und sind nach wenigen Kilometern in Valtice angelangt. Rund um Valdice überall Weinberge. Es ist nicht wirklich bekannt, daß das Weinbaugebiet Mähren mit 16.536 Hektar an Rebfläche das Weinviertel noch überrundet. Das sind 96 Prozent aller in Tschechien registrierten Rebflächen. Das optische und historische Zentrum von Valtice ist das gewaltige Schloß der Liechtensteiner. Die Weltkriege und dann noch der Eiserne Vorhang hatten auch große menschliche Barrieren zwischen Mähren und Österreich erzwungen. Das heutige Resultat: Der absolute Großteil aller Menschen in Valtice spricht außer Tschechisch als Zweitsprache höchstens Englisch. Und das nicht einmal zehn Kilometer von Österreich entfernt.

Teilansicht des Schloßes Lednice mit dem gigantischen Schloßgarten.

Süße „Kuchenparade“ in einer der Konditoreien in der Stadt Lednice.

Schlußendlich war die Stadt Feldsberg samt dem Schloß von 1395 bis 1945 im Besitz des Hauses Liechtenstein. Feldsberg selbst gehörte bis 1920 ohnehin nicht zu Mähren, sondern zu Niederösterreich. Die fürstliche Liechtensteinsche Familie nutzte das Schloß bis zum Jahre 1943 als Familienresidenz. Ein gewaltiges Schloß mit großer geschichtlicher österreichischer Vergangenheit. Heute ist das Schloß Valtice die tschechische Weinhochburg. Denn im riesigen Schloßkeller lagern die allerbesten Weine Tschechiens. Vorrangig die Spitzenweine aus Mähren und weiters die besten Weine von den insgesamt 662 Hektar großen Weinbergen im Norden Böhmens. Die allerbesten Weine kommen aus Mähren. Seit der Gründung Tschechiens hat sich hier in Sachen Weinqualität Gewaltiges getan. Die mährischen Weinspezialitäten sind außergewöhnlich. Allerbeste Veltliner, Riesling, Chardonay, Burgunder, Sekte und Spitzenrotweine. Im Weinkeller von Valtice (www.salonvin.cz) können sich die Besucher durch die Spitzenweine durchkosten. Und zudem auch die entsprechenden Weine kaufen. Der Weinkeller ist ganzjährig (außer Februar!) täglich geöffnet. Es gibt auch kommentierte Verkostungen mit einem Sommelier. Natürlich in englischer Sprache! Unser Sommelier schwärmte abgesehen von den Weinqualitäten von der „guten alten Kaiserzeit“. Lange genug hatte ja einst das Habsburgerreich Mähren geprägt. Heute sprechen die Menschen hier nicht deutsch, aber sogar in den Lebensmittelgeschäften gibt es die Olivendosen mit unserem seligen Kaiser Franz Josef drauf. Wenn das kein Lippenbekenntnis zu Österreich ist? Ansonsten haben Kommunismus, Stacheldraht und die Kriegs- und Nachkriegsgräuel eine gewisse stumme Barriere zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Grenze bewahrt. Dies hat mittlerweile auch die EU nicht wirklich wegwischen können. Unser nächstes Ziel: Lednice (Eisgrub). Mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Hier hat das Geschlecht der Liechtensteiner noch einiges draufgelegt. Immerhin wirkten hier die Liechtensteiner gut 700 Jahre. Aufgrund der besonderen Nähe zum Hause Habsburg wurden die Liechtensteiner nicht nur mächtig sondern auch außerordentlich reich. Demnach ist das Areal des Schloßes Eisgrub unglaublich riesig und mit ungewöhnlichen Sehenswürdigkeiten versehen.

Sommelier-Verkostung im Salon- Weinkeller im Schloß Valdice.

Sommelier-Verkostung im Salon- Weinkeller im Schloß Valdice.

„Kaisertreue“: Sogar auf den Olivendosen kommt Franz Josef vor.

Im Jahre 1249 kam die einstige mittelalterliche Festung Eisgrub in den Besitz von Heinrich von Liechtenstein. Nach einigen Jahrhunderten gehörte gut ein Sechstel ganz Mährens zum Besitz der Liechtensteiner. Demnach legten sie ab dem Jahre 1608 in Felsgrub ihren Sommersitz an. Der berühmte Architekt Fischer von Erlach hatte die Leitung für den gewaltigen Schloßumbau. Sogar eine künstliche Tropfsteinhöhle wurde errichtet. An Geldmangel haben die Liechtensteiner niemals gelitten. Demnach erhielten Schloß Eisgrub und das riesige Areal in den Jahren 1846 bis 1858 einen weiteren Bauschub. Das alte Schloß wurde regelrecht in den baulichen Mantel der englischen Tudor-Gotik eingebracht. Inklusive Gewächshaus und riesigem Schloßteich mit Minarett, Aquädukt, Jagdschloß, Diana-Tempel, Teich-Schlößchen, Apollo-Tempel, Grenzschloß, Hubertus-Kapelle, Statuengruppen usw. Eine architektonisch perfekte Welt für die Liechtensteiner. Das neugotische Schloß wurde mit allen erdenklichen Besonderheiten ausgestattet. Allein an der aus einem Stück gefertigten, geschnitzten Wendeltreppe arbeiteten die Handwerker der Wiener Firma Leistler acht Jahre. Bis zum Jahre 1943 bewohnten die Liechtensteiner das riesige Areal. Dann kamen die Sowjets und lebten ein wenig ihren Zerstörungsdrang aus.
Heute ist Lednice im Besitz der Republik Tschechien. Doch die Vergangenheit mit den vielen Jahrhunderten der Liechtensteiner bestimmt die Museumsaustellung im Schloß. Im ersten Obergeschoß werden die Privaträume der Liechtensteiner präsentiert. Im zweiten Stock sind die Räume und Zimmer der Hausangestellten und Kinder. Eine hochinteressante Ausstellung, die man gesehen haben muß. Info unter www.liechtensteinove.cz.
Im schloßnahen Restaurant gibt es eine freundliche Wirtin, die frisch gebratene Enten auf Weißkraut mit original böhmischen Knödeln serviert. Dazu ein böhmisches Bier. Das allein wäre schon die Anreise nach Südmähren wert gewesen.

Der gigantische Kronleuchter vor der Bibliothek im Schloß Lednice.

Ein gebratener Entenhax`n samt Knödeln ist eine wahre Belohnung.

Publiziert in Tschechien

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