Bier, Schiele und Stelzen in Südböhmen

Der Marktplatz von Budweis mit dem Samsonbrunnen ist ein Treffpunkt in Budweis. Nach der Legende geistert es hier mit Einbruch der Dunkelheit. Der Marktplatz von Budweis mit dem Samsonbrunnen ist ein Treffpunkt in Budweis. Nach der Legende geistert es hier mit Einbruch der Dunkelheit.

von Hannes Krois
Vorrangig in den Jahren der Monarchie, als „alles noch bei Ös`treich war“, da leistete sich so mancher Wiener gute Haushalt eine böhmische Köchin.

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Das Fatale daran war, daß die Wiener der „besseren Familien“ regelrecht gemästet wurden mit all den wundersamen Spezialitäten der berühmten böhmischen Küche. Somit wurden alle dicker. Alsbald auch die jungen Köchinnen, die sich vielfach mit den jungen Herren in eine Liebes-Leidenschaft einließen, schwanger wurden und in Wien blieben. Heute findet man diese berühmte böhmische Küche an vielen kulinarischen Ecken in Südböhmen. Und so startete unsere journalistisch-kulinarische Entdeckungsreise Südböhmens zufällig in Hluboka nad Vltavou. Eine kleine Stadt wenige Kilometer von Krumau, dem Weltkulturerbe, entfernt. Hluboka nad Vltavou, auf Deutsch über lange Zeit als Frauenberg bekannt, hat eines der allerschönsten Schlösser Böhmens. Die einstige Wehrburg Frauenberg ist im einzigartigen Tudor-Stil errichtet. Am Fuße der wunderschönen Burg breitet sich die historische Altstadt aus. Bis hierher haben es die Touristenschwärme mit Japanern und Chinesen noch nicht geschafft. Die alten Fassaden zeigen vielfach Risse einer bewegten Vergangenheit. Wirtshäuser gibt es genug. In den Wirtshäusern findet eben das ganze Dorfleben nach der Arbeit statt. Wie magnetisiert fühlen wir uns von diesem alten Gasthaus Solidni Sance www.hluboka.cz direkt auf dem Marktplatz angezogen. Gastbetrieb seit 1692. Die regionalen Speisen der böhmischen Küche mit Schwein, Rind, Wild und Knödeln, einfach unglaublich. Dazu und dazwischen der Becharovka aus Karlsbad als kultiger Begleiter. Und schlußendlich das Bier insgesamt. Die Kostproben durch die einzelnen Biersorten „Melichar“, „Kaspar“, das Schwarzbier „Balthasar“ und das spezielle „Ale“haben folgende Erkenntnis ans Licht gebracht: Diese „Dreikönigs-Biere“ sind das Allerbeste, was bislang durch meine Kehle rinnen durfte. Und ich habe bei Gott schon an recht guten Bieren nippen dürfen. Die Frage, woher diese sauguten Biere wenige Kilometer von der Weltbierstadt Budweis entfernt wohl kommen, beantwortete der sympathische Wirt Michael Machacek ganz einfach: „Von nebenan!“ Und so stürzten wir ins Freie, um noch den historisch geprägten Geruch des Marktplatzes in die Lungen zu saugen. Dann noch einige Meter und hinein in ein erleuchtetes Gebäude. Errichtet von Fürst Adolf Joseph Schwarzenberg im Jahr 1898. Darin die kleine Brauerei ganz neu. Im Halbgeschoß eine Handvoll Tische für die Biertrinker. Frisches Bier in allen Sorten. Hier befindet sich der Bierhimmel im Bierland Böhmen. Unglaublich günstig noch dazu. Ein Lebenswerk von Michael Machacek und seinem Freund, dem Wirt Hajek. Umringt von der legendären Moldau und großen Teichen bietet die Region Hluboka nad Vltavou auch unglaublich schmackhafte Karpfengerichte wie Karpfen in Dunkelbiersauce, Fischwurst, Karpfensuppe usw. Für die Touristen gibt es einen Zoo, Golfen, Angeln, Wassersport, usw. Aber auch Wellness im neuen fünf sternigen Hotel Diamant www.hoteldiamant.cz. Ein modernes Wellnesshotel mit allem, was Erholung ermöglicht. Steht gleich um die Ecke zum Biergasthaus.Unser nächstes Ziel ist die Hauptstadt Südböhmens Ceske Budejovice. Als Budweis mit dem gleichnamigen Bier weltbekannt. Auch die hopfige Marke Samson kommt aus der traditionellen Bierstadt. In Verbindung mit Samson gibt es auf dem gigantischen Marktplatz auch den Samson-Brunnen mit den Figuren der Atlanten. Gleich neben dem Brunnen eine Markierung im Straßenpflaster. Hier wurden im Mittelalter unschuldige Burschen hingerichtet. Deren Seelen geistern auch heute nach der Dämmerung durch Budweis. Also rasch hinein in das bekannteste Brauerei-Gasthaus von Budweis, „Masné krámy“, direkt beim Marktplatz. Ein Begriff für Budweiser und böhmische Spezialitäten, www.masne-kramy.cz. In den Nischen, wo heute weit über 100 Gäste sich durch die Budweiser Biere durchkosten, waren früher die Fleischbänke der Stadt. In den Nischen hatten die Metzger ihre Fleischstände und wurden über die Fenster von außen beliefert. Nach dem Krieg wurde das Gebäude zum Biergasthaus umgebaut. Heute ein Welthit mit den Budweiser Bieren und herrlichen Schmankerln. Die gebratene Ente, das Gulasch, der Schweinsbraten sind mehr als Top. Weiter führt unsere Reportage nach Cesky Krumlov. Als Krumau und Weltkulturerbe höchst berühmt. Eine Stadt, die in ihrer Grundstruktur so verblieben ist, als Carl Spitzweg sein berühmtestes Werk „Der arme Poet“ malte. Die Schwarzenberg-Burg in der Höhe und dann die mittelalterliche Stadt in der völligen Umringung der Moldau in der Mitte. Mit dem alten Krumau verbinden sich Namen der Weltkunst. Voran einmal das Schiele-Museum in der Altstadt. Schiele war ein grenzgenialer Maler, der durch seine damals als Pornographie eingestuften Bilder sehr bald mit den Bürgern von Krumau ein Problem hatte. Dazu die Neigung, sehr junge Mädchen Modell stehen zu lassen. Viele Bilder zeigen allerdings seine Muse „Wally“, bürgerlich Walburga. Nur zur Darstellung, in welchen Summen so ein Schiele-Bild des damals verarmt gestorbenen Künstlers gehandelt wird. Das Bild „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“ wurde 1998 zum Mittelpunkt eines Erbstreites in New York mit vier Millionen Euro Verfahrenskosten. Mit der Zahlung von 15 Millionen Euro wanderte 2010 das Bild nach Österreich zurück. Auch Adalbert Stifter hat seine Lebensspuren in Krumau. In seinem Geburtshaus gibt es ein Museum. Ganz großartig ist das Museum Fotoatelier Seidel www.seidel.cz. Dieses Fotographenhaus gibt Einblick in die Welt der Fotographen und der Fotographie. Landschaften, Gebäude und besonders Menschen aus einer Zeit, als ein Foto noch Kunstwerk war. In Krumau mit all den romantischen Plätzen und Gebäuden braucht man Zeit. Wichtig ist der Besuch der Schwarzenberg-Burg. Schlußendlich hat die Familie Schwarzenberg bis in die heutige Zeit Böhmen mitgeformt. Böhmische Ritterspezialitäten gibt es im mittelalterlichen Gasthaus „Stredoveka krcma Satlava“. Speziell im Sommer ist Krumau eines der Europaziele der Touristen aus China und Japan. Ratsam ist ein Krumau-Besuch deshalb in der Vor- und Nachsaison. Wir verlassen Krumau in das unweit entfernte Dorf Holasovice. Ing. Vlastimil Hosek ist in diesem einzigartigen Bauern-Barockdorf zuständig für die Erhaltung dieser einzigartigen Baustruktur. In seinem Hof hat Ing. Hosek ein Bauernmuseum eingerichtet. Info unter www.selsky-dvur-holasovice.cz. Südböhmen hat schon was.....

Das Bauern-Barockdorf Holasovice, unweit von Krumau ist ein Juwel.

In der Gasthaus-Brauerei von Machacek&Hajek gibt es das beste Bier.

Das Budweiser-Kult-Gasthaus „Masné krámy“ in Budweis.

Höchst interessant ist in Krumau das Photo- Museum Seidel.

Die Schweinsstelze samt Budweiser im „Stredoveka krcma Satlava“.

Das idyllische Krumau mit Blick zur Schwarzenberg-Burg.

Publiziert in Tschechien
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