Polen

Przemysl war des Kaisers große Festung

von Hannes Krois
Friedlich fließt die San und teilt mit ihrem Flußlauf die historische Stadt Przemysl (deutsch Prömsel). Von der Terrasse des preiswerten Hotels „Accademia“ hat man einen allerbesten Blick auf die gegenüberliegende Stadtseite bishin zur außergewöhnlichen alten Eisenbahnbrücke. Die San, ein Nebenfluß der Weichsel ist ein ideales Gewässer für Paddler und Angler. Direkt neben dem Hotel am San-Ufer steht ein riesiger Bunker. Einer der unzähligen Betonbunker, die entlang dem rechten San-Ufers von den Sowjets errichtet wurden. Geht es um Krieg oder Frieden, dann hat das im Jahre 981 gegründete Przemysl im Laufe der Jahrhunderte öfters die sogenannte „Pechkarte“ gezogen. Przemysl liegt im südöstlichsten Zipfel von Südpolen. Direkt im Vorkarpadenland und unweit zur Grenze in die benachbarte Ukraine mit Lemberg. Von 1772 bis 1918 gehörte dieses Gebiet mit Przemysl und Lemberg zum Habsburger-Kronland Galizien. Trotz Sowjets und Kommunismus hat sich die Erinnerung an das Kaiserreich Österreich in dieser Stadt eingebrannt. Mit seiner exponierten strategischen Verkehrslage war Przemysl immerwährend auf die Gefahren aus dem Osten ausgerichtet. Anfangs waren es die Tartaren, die das Land verwüsteten. Zuletzt waren es die Sowjets und das Großdeutsche Reich, die im Jahre 1939 Polen unter sich aufteilten. Die San wurde somit 1939 zum Grenzfluß zwischen Deutschen und Sowjets. Die Russen bauten diese Grenze von Przemysl bis zur baltischen Ostseeküste zur sogenannten 4500 Kilometer langen Molotow-Linie aus. Ich stehe im Oktober 2016 auf der Terrasse des „Accademia“. Ein eisiger Wind bringt ungemütliche Nässe von Osten her. Vom September 1939 bis zum Juni 1941 verschleppten die Sowjets tausende polnische Familien nach Sibirien. Hier in Przemysl entlang des rechten San-Ufers. Es war Schicksal, daß das Unternehmen „Barbarossa“, der deutsche Angriff auf die Sowjetunion auch in Przemysl mit einem deutschen Artilleriefeuer an jenem 22. Juni 1941 eröffnet wurde. Ein Großteil des alten Przemysl wurde dabei zerstört. Heute ist alles wieder aufgebaut. Eine perfekt sanierte Stadt, die auch die Jahre der höchst geschmacklosen Architektur der Kommunisten überwinden konnte. Przemysl ist voller Kirchen. Eine Region mit Tiefgang im Glauben. Die Menschen suchten Hoffnung im Glauben, um die Kriege zu überleben. Obwohl im Nachbarland Ukraine nun seit Jahren ein mörderischer Krieg tobt, ist das gegenwärtige Przemysl auf Lebensqualität und Tourismus ausgerichtet. Der Marktplatz mit seinen Barockhäusern und dem unterirdischen Kellersystem ist eine Welt für sich. Das Bier in den Wirtshäusern ist wunderbar und supergünstig. Die traditionellen Speisen der galizischen Küche sind köstlich und deftig. Wundersam schön zeigt sich der Bahnhof, der 1860 errichtet wurde. Ein Glanzstück der Architektur. Schon 1872 ein Bahnknotenpunkt mit Zugverbindungen nach Krakau und Lemberg und nach Budapest. Mit der Eisenbahn erlebte die Stadt einen regelrechten Wachstumsschub. Eine bauliche Besonderheit ist der alte Glockenturm. Der im Anschluß geplante griechisch-katholische Dom wurde niemals gebaut. Somit erlitt der Glockenturm ein Einzelschicksal für über 100 Jahre als Feuerwehrturm. Heute dient der Glockenturm als ein attraktives Museum für Glocken und Pfeifen. Bei Pfeifenrauchern sind die handgemachten Pfeifen aus Przemysl höchst beliebt. Ein wenig außerhalb der Stadt befindet sich inmitten einer Parkanlage das mächtige Renaissance-Schloß Krasiczyn. Das Bauwerk zählt in seiner imposanten Architektur zu den wertvollsten Baudenkmälern Polens. In den gewaltigen Festräumen gibt es oftmals große Empfänge, Hochzeiten und Bälle. Das im Gebäude eingebundene Schloß-Hotel bietet fürstliche Gästezimmer (www.krasiczyn.com.pl). Ein tolles Naturgebiet für Radfahrer, Reiter und Wanderer. In den Wäldern und Wiesen wachsen zahlreich Pilze und seltene Pflanzen wie etwa die Schachbrettblume. In der völlig intakten Natur gibt es seltene Schmetterlinge, Fledermäuse und seltene Vogelarten, wie den Bienenfresser. Die Eichhörnchen und Eulen haben sich in den zahlreichen Friedhöfen rund um Przemysl niedergelassen. Derzeit gibt es in Przemysl 17 Friedhöfe! Darunter die Soldatenfriedhöfe der Russen, der Österreichisch-Ungarischen Armee und der Kaiserlich-Deutschen Armee. Tausende Soldaten, die im Bereich Przemysl vom 17. September 1914 bis 5. Juni 1915 gefallen sind. Zu dieser Zeit war Przemysl eine der größten militärischen Festungen ganz Europas. Wenige Jahre nach der Krönung von Kaiser Franz Joseph wurde im Jahre 1854 mit dem Bau der Festung Przemysl begonnen. Mit permanenten Veränderungen und Anpassungen an die aktuelle Kriegsführung bishin zum Kriegsbeginn 1914. Schlußendlich umfasste die Festung Przemysl einen 45 Kilometer langen Verteidigungsring mit zahlreichen Forts mit Geschützstellungen, Minenfeldern, Mauern usw. Dennoch war die Festung Przemysl bereits zu Kriegsbeginn nicht mehr militärisch zeitgerecht. Am 5. Oktober begann die zahlenmäßig überlegene russische Zarenarmee mit dem Beschuß der Festung. Am 8. November schlossen die Russen einen Belagerungsring und hatten somit die Blockade der Festung im Griff. Die Soldaten der Österreichisch-Ungarischen Armee hatten mittlerweile ihren Kampfgeist verloren. Hunger, Kälte und Depressionen leisteten zudem ihren Beitrag. Die Lage der Festung wurde für aussichtslos erklärt. Demnach sprengten am 22. März 1915 die Verteidiger ihre Festung und erschossen zugleich Tausende Pferde. Noch am gleichen Tag wurde Przemysl an die Russen übergeben. Rund 120.000 Soldaten, darunter 2.500 Offiziere und neun Generäle gelangten in Gefangenschaft. Die zerstörte Festung war somit vom 22. März bis Juni 2015 in russischer Hand. Gemeinsam mit den deutschen Truppen konnte die Habsburger-Armee am 5. Juni 1915 die Festung Przemysl zurückerobern. Zerstörung, Kampf, Leid und Tod für nichts.
Heute ist die Festung Przemysl mit den zahlreichen Ruinen und Forts ein militärhistorisches Monument. Über das ganze Jahr sieht man Reisebusse aus Österreich, Ungarn und Deutschland mit Hinterbliebenen, Historikern und den Mitgliedern der Kriegsgräberfürsorge Schwarzes Kreuz für die Pflege der Soldatenfriedhöfe. Unmittelbar neben Friedhöfen und dem Fort XVI „Zniesienie“ ist ein beliebter Skihang mit Skilift. Vielleicht hören ja die zahlreichen Toten das Lachen der Kinder..........

Erster Innenhof des Forts „Salis-Soglio“ mit seinen massiven Mauern.

Ein architektonisches Wunderwerk ist der 1860 errichtete Bahnhof.

Breslau... Einstens preußische und deutsche Metropole. Heute polnische Kulturhauptstadt.


Das Kriegsjahr 1945 hatte der Stadt den Atem geraubt. Die Stadt war zerstört. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben oder von den Sowjets verschleppt. Im Gegenzug kamen die bei den Sowjets unbeliebten Polen aus dem einstigen Galizien und Lemberg.  Heute teilweise Ukraine. Auch die Professoren der Lemberger Universität kamen nach Kriegsende nach Breslau. In einer der ältesten Universitäten Europas mit der Aula Leopoldina wurde die Polnische Universität installiert. Das deutsche Breslau wurde gleichzeitig zum polnischen Wroclaw. Doch in Breslau hat die kulturelle und politische Intelligenz alle Abgründe der kommunistischen Jahre wesentlich überlebt. Deshalb ist man hier nicht beleidigt, wenn speziell deutsche Besucher ausschließlich von Breslau sprechen. Die Stadt hatte nun einmal vorrangig deutsche Wurzeln. Eine polnische Bevölkerung sowie auch eine jüdische war ebenso immer vorhanden. Kultur und Lebensfreude prägen die Stadt bis in die Gegenwart. Es waren schlußendlich die Breslauer, die ihre Stadt zur kulturellen Hochburg mobilisierten. Es war dann nur noch ein administrativer Akt, daß Breslau im heurigen Jahr zur Kulturhauptstadt wurde. Breslau ist eine höchst lebendige Stadt. Eine Stadt zum Feiern und zum Verlieben. Eine Stadt mit Geist, Vergangenheit und Zukunft. Eine Stadt ohne aufgesetzter Dekors, dafür mit viel Symbolkraft. Und was Kulinarik und Ausgehmeile betrifft, ist Breslau unschlagbar. Warum also nicht einmal in diese wunderschöne Stadt mit so viel Geschichte und gleichzeitig jugendlichem Flair? Flüge gibt es mit der LOT, der Lufthansa und AUA. Wer allerdings gerne individuell unterwegs ist, der kann die über 700 Kilometer Strecke von Graz nach Breslau auf  ausschließlich gut ausgebauten Autobahnen über Tschechien herunterspulen. Etwas über sieben Stunden Fahrtzeit. Ein ideales Hotel gleich neben Oder und Altstadt ist das Park Plaza Hotel (www.hotelepark.pl). Eine modern gestaltete Hotelanlage mit schönen Zimmern und bestem Blick zur Universität mit der Aula Leopoldina aus dem Jahre 1702. Dazu mit ausgezeichneten regionalen Spezialitäten der Kulinarik Schlesiens im Hotel-Restaurant. Unter der Aufsicht von Küchenchef Zbigniew Kozlik gibt es ganz spezielle Menüs und herrliche Einblicke in die Breslauer Küche. Kozlik arbeitet mit anderen Spitzenköchen an der weiteren Veredelung alter Rezepte aus der Region. Ein Wunderland für alle, die es ein wenig deftiger haben wollen. Borschtsch, Ente, Gans, Krautsuppe, Piroggen, Gulasch, Stelzen, Räucherkäse usw. mag so manches Herz erwärmen. Dazu die herrlich süffigen Biere, die es zu außerordentlich günstigen Preisen gibt. Auf dem Rynek, dem alten Marktplatz, reiht sich ein Restaurant, ein Bistro, Cafe und Pub an das andere. Hier kann man sich kulinarisch durchkosten durch alle Möglichkeiten der polnischen, schlesischen, ukrainischen, italienischen, asiatischen und jüdischen Küchen. Ein wahres kulinarisches „Feuerwerk“ das ganze Jahr über. Höchst empfehlenswert sind das Restaurant Bernard mit eleganten Klassikern und das Brauhaus Spiz im historischen Keller des spätgotischen Rathauses. Hier fließt buchstäblich das selbstgebraute Bier. Dazu die Köstlichkeiten der Breslauer Hausmannskost. Der Marktplatz mit all seinen historischen Nebenstraßen ist speziell an den sommerlichen Wochenenden eine einzige Festmeile. Die jüngeren Breslauer und die gut 130.000 Studenten durchleben die Breslauer Nächte in den zahlreichen Discos, Pubs und Nachtclubs. Breslau ist eine reale Spaßmeile geworden. Die Touristen bevölkern eher die Bierlokale. Die Breslauer Nächte dauern vielfach lang. Gefeiert wird auch traditionell an den Ufern der Oder. Wohl bemerkt vorrangig im geordneten Rahmen. Schlußendlich ist man ja in der Kulturhauptstadt Europas. Überall in der Breslauer Altstadt fallen die niedlichen Zwergfiguren aus Bronze auf.  Jedenfalls kein Dekor oder irgendwelche Heinzelmännchen. Es sind Symbolfiguren der sogenannten „Orangen Alternative“, der Bürgerrechtsbewegung gegen die kommunistische Staatsmacht. Die putzigen Zwerge sind Geschichtskultur pur und heißen auf polnisch „Krasnale“. Mehr als 300 der Breslauer Zwerge gibt es. Noch mehr als die Zwerge fallen die Breslauerinnen auf. Von Natur aus mit den Gaben außergewöhnlicher Schönheit bestückt, wissen sie sich mit textilem Chic zu kleiden. Lebensgroße Tierfiguren aus Bronze findet man im Stare Jatki, dem alten Schlachthof aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist die Straße höchst romantisch und voller Kunstgalerien. Kultur und Wissen verbindet die alte, vom Habsburger-Kaiser Leopold gestiftete Universität. Die original erhaltene Aula Lepoldina ist ein europäisches Kulturerbe. Etwas Ruhe und Gelassenheit bietet die Dominsel direkt an der Oder. Bemerkenswert die gotische Kathedrale St. Johannes und der Bischofspalast. An den Wochenenden stauen sich hier die Hochzeiten. Ein wenig außerhalb vom Zentrum steht die Jahrhunderthalle. Ein Bauwerk aus dem Jahre 1913 und bis heute eine bauliche Sensation und Weltkulturerbe. Breslaus Zentrum und speziell der mittelalterliche Marktplatz zählen zu den allerschönsten Plätzen Europas. In den 30er Jahren entwickelte sich Breslau mit zahlreichen Bauten der Moderne zu einem baulichen Juwel. Besondere Beachtung fand das einstige Warenhaus Wertheim mit den damals allerersten Rolltreppen ganz Schlesiens. Nach einer aufwendigen    Restaurierung ist heute das Haus Heimstätte für elegante Markengeschäfte und Cafés. Nicht umsonst wurde über viele Jahrhunderte Breslau als Blume Europas bezeichnet. Blumen benötigen Wasser. Demnach hat die Stadt mehr als 100 Brücken und zwölf Inseln. Eine Wasserstadt mit zahlreichen Booten, auf denen Romantiker und Touristen Breslau aus einer anderen Dimension erleben. Breslau ist Polens viertgrößte Stadt und vorrangig von der Universität geprägt. Intellektuelle, Literaten und Künstler prägen somit das gesamte Stadtbild. Kultur-Highlights finden in allen Bereichen statt. Ein Treffpunkt ist das Neon-Museum. Kein Museum im klassischen Sinn, sondern ein Treffpunkt für Partygänger, die coole Retroszenen lieben. Breslau ist als Kulturhauptstadt 2016 in seinem Selbstbewußtsein nochmals aufgeblüht. Zeit, dorthin zu fahren...

Das alte Rathaus inmitten des Marktplatzes ist das Wahrzeichen.

Beschauliche Atmosphäre auf der Dominsel beim Bischofspalast.

Die Johanniskathedrale steht oftmals im Zeichen der Hochzeiten.

Für Wursttiger sind die deftigen polnischen Würste einfach top.

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