Auf den Spuren von „Game of Thrones“

Über eine Hängebrücke gelangt man auf die kleine Insel „Carrick-a-Rede“. Jährlich wagen 250.000 Besucher den Gang über die „Rope bridge“. Über eine Hängebrücke gelangt man auf die kleine Insel „Carrick-a-Rede“. Jährlich wagen 250.000 Besucher den Gang über die „Rope bridge“.

von Dorian Krois
Vor wenigen Jahren war es noch ruhig im Wald.

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Doch dann kamen die Krieger von Winterfell und schnell war es mit der Ruhe vorbei. Seit Szenen der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ im nordirischen Tollymore Forest gedreht wurden, zieht der Ort Tausende von Touristen an, um die Drehorte der bekannten Fernsehserie aufzusuchen. „Die Urlauber kommen aus der ganzen Welt zu uns“, sagt Andy Porter, Tour-Guide bei Winterfell Tours. Er hatte nicht geahnt, was der Erfolg der Serie für seinen Wald bedeuten würde. Doch nun freut er sich über die vielen Besucher. „Ok, auf gehts zum nächsten Drehort!“. Während Andy Porter früher gewöhnliche Wandertouren begleitete, trägt er heute eine große Mappe mit Bildern durch den Wald. Darauf sind Szenenfotos zu sehen. „Genau hier stand Bran Stark“, sagt der Touristenführer und hält dabei das Foto hoch. Er weiß es ganz genau, weil er beim Dreh hin und wieder dabei war. Ein besonderes Privileg, weil die Drehorte ansonsten meistens abgesperrt werden. „Zehn Wochen lang hat das Team den Wald im September in ein Schneekleid gesteckt, um dann nur wenige Minuten der Serie zu drehen“, erzählt Porter.
Dabei sein ist alles, gilt bei den Fans, die nach Nordirland kommen, nicht zwangsläufig. Eher: Dort gewesen sein, wo die Stars waren. Das reicht schon aus. Diese Art von Tourismus, bei der Schauplätze besucht werden, die man aus Film und Fernsehen kennt, ist wahrscheinlich so alt wie das Fernsehen selbst. In Nordirland lernt man den Drehort-Tourismus nun kennen – und man lernt ihn zu nutzen. Nicht nur Andy Porter bietet solche Touren an. Viele Reiseveranstalter fahren Fans mit Bussen durch das kleine Land im Norden der irischen Insel.
Der Tollymore Forest ist dabei nur ein kleiner Zwischenstopp von vielen. Besonders beliebt ist das nahe gelegene Castle Ward, das mittlerweile häufiger als Burg „Winterfell“ bezeichnet wird. Das mittelalterliche Gebäude diente als Drehort des Herrschaftssitzes der Familie Stark. Hier können Touristen Kostüme anziehen und mit Pfeil und Bogen schießen, um sich wie die Helden von „Game of Thrones“ zu fühlen. Die Schauspieler wohnten während der Dreharbeiten übrigens auch dort. Sicherlich bietet nicht nur dieser Ort eine gute Kulisse, aber warum entschied sich die Produktionsfirma eigentlich dafür, gerade in Nordirland zu drehen? „Alle Drehorte sind nahe der Hauptstadt Belfast und damit schnell zu erreichen“, so Andy Porter. Das sei wichtig, wenn man mit einem großen Filmteam arbeitet. Außerdem gibt es in Belfast eines der größten Filmstudios Europas, die Titanic Studios, wo zahlreiche Innenaufnahmen der Serie entstanden sind.

Im Castle Ward, einem der Drehorte von „Game of Thrones“ dürfen sich Touristen wie Figuren aus der Serie fühlen.

Die wunderschöne Allee „Dark Hedges“ war ebenfalls ein Drehort der Serie.

Von Belfast, das in der Vergangenheit durch den Nordirlandkonflikt negative Schlagzeilen machte und nun neue Hoffnungen in den Tourismus setzt, sind alle anderen Orte Nordirlands in kurzer Zeit zu erreichen. Auch die Sehenswürdigkeit „Giant´s Causeway“, eine Steinformation aus Basaltsäulen am Atlantik, die bisher nicht als Schauplatz von „Game of Thrones“ verwendet wurde. Hier sollte man genug Zeit einplanen, denn sobald man die knapp 40.000 größtenteils sechseckigen Steine der UNESCO-Welterbestätte sieht, steht man erst einmal minutenlang mit offenem Mund davor. Und auch wenn man weitergehen kann, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Natürlich sind die Säulen von der Natur geschaffen – vor rund 60 Millionen Jahren kühlte flüssige Lava nach einer vulkanischen Eruption an dieser Stelle ab und erstarrte zu den bizarren Gesteinsformationen – aber die alternative Entstehungsgeschichte, in der ein Riese sie ins Wasser warf, um eine Brücke nach Schottland zu bauen, um dort einen anderen Riesen anzugreifen, der ihn beleidigt hatte, ist viel leichter zu verstehen.
Die vielen Eindrücke lässt man am besten bei einem Abendessen Revue passieren. Möglichkeiten dazu gibt es mehr als man denkt, denn die irische Küche hat sich enorm gemausert. Und wenn man am Tisch sitzt, spielt „Game of Thrones“ wieder eine Rolle, denn viele Restaurants bieten spezielle Menüs passend zu der Serie an. So etwa das Ballygally Castle nördlich von Belfast oder das Restaurant „The Cuan“ in der Nähe von Winterfell. Oder man kommt in einem der ansprechenden Pubs mit Einheimischen ins Gespräch und redet über „Game of Thrones“. Nicht wenige Nordiren haben bereits als Komparsen in der Serie mitgespielt.

Die Schautafel erklärt, welche Dreharbeiten im Hafen von Ballointoy stattgefunden haben.

Die malerische Bucht „Murlough Bay“. Hier wurden auch einige spektakuläre Reitszenen gedreht.

Reiseführer Andy Porter zeigt Touristen die Original-Drehorte der Serie „Game of Thrones“.

Giant´s Causeway zählt zu den UNESCO-Welterbestätten.

Publiziert in Irland

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