Kulinarische Reise der Sinne durch Korsika

Bonifacio, die eigenwilligste Stadt Korsikas. Das Foto zeigt einen Blick von der Festung über das 60 Meter hohe Kalksteinplateau über dem Meer. Bonifacio, die eigenwilligste Stadt Korsikas. Das Foto zeigt einen Blick von der Festung über das 60 Meter hohe Kalksteinplateau über dem Meer.


Wenn die menschlichen Sinne, eben Sehen, Spüren, Schmecken und Hören sich in die Seele des Reisenden einbrennen, dann entfalten sich Punkte auf dieser Welt zu neuen Heimatwelten, Gegenden und Ortschaften, die man immer wieder aufsuchen will.

add

Weil diese zu einem Teil der eigenen Seele herangewachsen sind. Aus der unendlich großen „Reportagenkiste“ all meiner Reise-Geschichten fallen mir spontan Vrsar in Istrien und speziell Porto-Vecchio auf Korsika ein. Mittlerweile Orte mit höchster Verinnerlichung fürs persönliche Seelenheil. In die  viertgrößte Mittelmeerinsel Korsika verliebt man sich sofort oder gar nicht. Auf Korsika braucht man unbedingt ein Auto. Demnach ist die pünktliche Ankunft in den Fährhäfen Genua und Livorno eine glasklare Sache. Die Fähren sind frühestens zu buchen, sofern man einen Kabinenplatz in der Nachtfähre ergattern möchte. Fahren am Tag und Schlafen auf dem Schiff wäre die wohl gescheiteste Variante. Die Nachtfähre der Moby Lines mit Abfahrt um 22 Uhr in Genua kommt um sieben Uhr morgens in der korsischen Hafenstadt Bastia an. Der tolle Ristretto beim Frühstück an Bord ruft alle Lebensgeister. Dann ab in die Ladeetagen der Fähre und das Auto finden, schon startet man auf korsischen Boden. Die Heimat von Napoleon, von den Wildschweinen, der Blutrache, von Topmodell Laetitia Casta und den allerschönsten Küsten und Stränden. Gleich neben dem Fährhafen befindet sich Bastias Altstadt mit dem einzigartigen alten Hafen samt der größten korsischen Kirche Eglise-St.Jean-Baptiste. Erbaut im Jahre 1666. Unbedingt sehenswert. Fürs Parken gibt es gekennzeichnete Parkflächen und Kurzparkzonen gegen Gebühr. Zu den allerschönsten Stränden und Ressorts führt die Nationalstraße    N 198 von Bastia in Richtung Bonifacio in den Süden der Insel. Über 150 Kilometer immer irgendwie am Tyrrhenischen Meer entlang. Unweit der historischen Römerstadt Aleria gibt es die Meeresbuchten  Etang de Diane und Etang dÙrbino. Schon die Römer betrieben hier eine gewaltige Austern- und Muschelzucht. Die eingesalzenen Weichteile der Schalentiere wurden nach Rom verschifft. Die Schalen landeten in der Bucht, worauf sich im Laufe der Zeit ein gewaltiger Schalenberg aufbaute.

Brücken-Übergang zum Restaurant „Aux Coquillages de Diana“.

Lebensmittelgeschäft mit regionalen Köstlichkeiten in Porto-Vecchio.

Die Gräber auf dem Friedhof von Sartène erzählen Geschichten.

Meerestiere- und Muschelplatte mit fangfrischen Austern und „Cozze“.

Später in der Geschichte ließ sich auch der auf der Nachbarinsel Elba festgesetzte Napoleon von hier seine geliebten Austern holen. Die frischesten Aus- tern, Meerestiere und Muscheln gibt es im Pfahlbau-Restaurant Aux Coquillages de Diana. Ganz außergewöhnlich ist die Meerestiere-und Muschelplatte auf Eis. Eben fangfrisch und roh mit diversen Saucen, Butter und Brot. Für Feinschme- cker eine Spezialität wie bei „Gott in Korsika“. Wer gleich mal hier bleiben möchte, der kann im nahen FKK-Ressort Riva Bella direkt am Sandstrand mit dem Urlaub starten. Ursprünglicher und ruhiger präsentiert sich allerdings das Ressort La Chiappa ganz im Süden Korsikas bei Porto-Vecchio. Bei klarem Wetter kann man von hier die Nordspitze der italienischen Nachbarinsel Sardinien erblicken. In der Gesamtheit ist Korsika eine Gebirgsinsel mit alpinen Gipfeln und bizarrer Bergwelt. Der Süden ist mit zahlreichen Hügeln, Bergdörfern, Weinbau und mit den Städten Porto-Vecchio, Bonifacio und Sartène geprägt. Alles, was die Insel an Lebensmitteln bietet, wird in den zahlreichen kleinen Geschäften, den Lebensmittelmärkten und auf den Bauernmärkten angeboten. Bio ist hier kein Thema, zumal hier auf Korsika ohnehin alles traditionell auf natürlicher Bio-Basis erzeugt wird. Die Wildschweine und halb verwilderten Schweine düsen durch die Wälder und verirren sich auch manchmal in das Ferien-Ressort La Chiappa. Die flinken Rüsseltiere fressen, was ihr Herz begehrt. Speziell aber Eicheln und die Edel-Kas- tanien, die in den zahlreichen Kas- tanienwäldern wachsen. Korsika hat als Kastanieninsel eine interessante Geschichte. Als Korsika noch zu Genua gehörte, mußte jeder Bauer jährlich vier Bäume pflanzen. Entweder Feige, Olive, Maulbeere oder Edel-Kastanie. Die meisten Bauern entschieden sich für die   Kastanie. Und weil es auf der Insel kaum einen Weizenanbau gibt, wurde die Edelkastanie zu einer Art Grundnahrungsmittel.  Die getrockneten Maroni werden gemahlen. Aus dem Kastanienmehl werden immer noch Brote und Kuchen gebacken. Eine Spezialität ist die Kastanien-Polenta, die zu Würsten oder gebratenem Ziegen- oder Wildschweinfleisch gereicht wird. Ein Kilogramm Kastanienmehl kos- tet in den Lebensmittelgeschäften zehn Euro. Eine Erfindung der letzten Jahrzehnte ist das Kastanienbier namens Pietra. Ein herrliches Bier, das mittlerweile auf der Insel kulinarischen Kultstatus besitzt. Aus dem Fleisch der „Maroni-Schweine“ erzeugen die Bauern und Metzger köstliche Dauerwürste, Salami, Schinken und als besondere Spezialität den luftgetrockneten Schweinenacken namens Coppa. Ganz hervorragend schmecken die Figatelli (Schweineleberwürste), Sangui (Blutwurst) und die Weinwurst. Reichlich gewürzt mit Thymian, Majoran, Rosmarin, Basilikum und Myrte. Als Verdauungsschnaps bietet sich der regionale Myrtenbrand speziell an. Zu den herrlichen Gerichten bekommt man auf Korsika ganz tolle regionale Weine. Besonders die Rosé-Weine sind der Renner. Fruchtige Tropfen mit süffiger Note. Was die Käseauswahl angeht, sind die Spezialitäten aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch schon eine Reise auf die Insel wert. Vom Frischkäse Brocciu bishin zu höchst gereiften Sorten zieht sich ein breites Angebot. Honig, Früchte, Mandeln, Zitrusfrüchte usw. finden sich in all dem traditionellen Backwerk in den Privathäusern und Bäckereien. Sehr berühmt sind die Canistrelli mit Mandeln aus der Stadt Sartène. Zweifach gebackene Kekse aus einer Stadt, in der niemand lange lebte. Denn Sartène zwischen Bonifacio und Propriano ist die korsische Hauptstadt der Blutrache, der Vendetta. Alle männlichen Bewohner des Armenviertels Borgo waren über Generationen mit den Männern des reichen Altstadtviertels Santa Anna befeindet. Laufend gab es Erschossene, Erschlagene und Erstochene. Die Rache war somit immer im Kreislauf. Jeder Tod mußte gerächt werden. Wer sich weigerte an dem Todeskarussel mitzumachen, wurde von der Rächer-Familie verstoßen. Was einem Todesurteil gleichkam. Der geruhsame Platz im Garten eines Cafe vor der Kirche hat viel Leid und Tote gesehen. Im alten Friedhof von Sartène liegen sie alle. Rächer und Gerächte...

Im Bistro in Sartène hängen Schinken und Würste über den Gästen.

Unzählige kleine Restaurants in der belebten Altstadt von Bonifacio.

Publiziert in Frankreich
Schlagwörter

Kontakt

Facebook